Montag, 13. April 2015

Gott sei Dank?!

Ich krieg' grad mächtig Krämpfe. Da postet jemand aus dem freikirchlichen Umfeld auf Facebook das Bild seiner Tochter, die beinahe gestorben wäre, ein paar Tage im Koma lag und nun nach zwei Wochen auf dem Weg zur Besserung ist.

Die Freude über die Besserung gönne ich sowohl Vater wie Tochter. Aber ich muss mich wahnsinnig zusammen reissen, um auf einige Kommentare nicht bissig zu antworten. 'Praise the Lord', Ehre sei Gott, GOTT sei Dank (wobei Gott versal geschrieben wird, um deutlich zu machen, dass es nicht als salopp gesagte Redewendung zu verstehen ist) und der dankbare Verweis auf Gebete werden erwähnt.

Ich bin leider kein Mediziner und kann nicht im Detail schildern, was mutmasslich die letzten Wochen um dieses Mädchen gelaufen ist. Aber es dürften etliche Personen, darunter Chirurgen, Ärzte und anderes Fachpersonal, damit beschäftigt gewesen sein, dass die Kleine erst gerettet und dann bald wieder auf den Beinen ist. Schläuche und Kabel dürften verlegt worden sein, Infusionen, Medikamente und Eingriffe. Das waren alles Menschen, die am Lebenserhalt dieses Mädchens gearbeitet haben. Doch gedankt wird Gott?

Was hat er denn gemacht, Gott? Sich anständig zurück gehalten, damit die Ärzte ihren Job machen können? Oder hat er die Infusion gesteckt, die Werte gemessen oder die richtige Therapie verordnet? Wo war er denn?

Da nimmt man Millionen teure Infrastruktur und über Jahrzehnte oder Jahrhunderte erarbeitetes Wissen in Anspruch, um hinterher einer verstaubten und äusserst fragwürdigen Fantasy-Figur die Lorbeeren aufzusetzen? Echt lächerlich, so was.

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