Freitag, 10. April 2015

Rückkehr aus Babylon

Die Chronikbücher sind geschafft. Bin ich froh. Am ende werden nur noch - mit jeweils wenigen Versen - Könige aufgezählt und ob sie nun taten, was dem Herrn gefiel oder was er verabscheute. Die meisten missfielen mit ihren Taten dem Yahweh und so ist es nicht verwunderlich, dass der Geschichtenerzähler die Chroniken abrundet mit dem aufgezwungenen Exil nach Babylon.

Ich bin jetzt diesbezüglich nicht ins Detail gegangen, meine aber, dass das babylonische Exil zumindest im Wesentlichen historisch belegt ist. Ins Exil deportiert wurde aber nach babylonischem Brauch nur die Oberschicht der eroberten Völker. Was wollte man auch mit den anderen anfangen? Es ging vor allem darum, dem eroberten Land die militärische und akademische Führung zu nehmen. So ist heute auch weitgehend belegt, dass die Israeliten damals nicht etwa als typische Sklaven in Babylon zu Arbeit gezwungen wurden, sondern sich grösstenteils frei eingliedern konnten. Natürlich wurde das später dem Daheimgebliebenen anders erzählt, sonst wären die noch auf die Idee gekommen, nach Babylon zu ziehen.

Esra gehört laut der biblischen Überlieferung zu einer ersten Gruppe, die nach dem Fall Babylons in die Hände des Perserkönigs Kyros in ihre alte Heimat zurück durften. Damit war wohl in erster Linie Jerusalem gemeint, mit dem Ziel, den zerstörten Tempel wieder aufzubauen. Dass dieser, ein Heiligtum für jeden Juden, dem Erdboden gleich gemacht wurde, war wohl die grössere Strafe als die Deportierung nach Babylon.

Nun schildern die Bücher Esra und Nehemia, gerne auch 2. Buch Esra genannt, eben diese Rückkehr ins gelobte Land (das ja ursprünglich nicht das Land der Juden war, sondern von diesen blutig erobert wurde) und den Wiederaufbau des Tempels und der Stadt. Eingefügt sind zwar ein paar Episoden der Spannung, die vor allem belegen sollten, dass man sich einerseits an die Weisungen des Königs hielt und andererseits den immer noch mächtigen Yahweh zur Seite hatte.

Alles in Allem aber eher langweilig, wenn man nicht gerade Jude ist und sich somit in seinem persönlichsten Glauben angesprochen fühlt.

Interessanter finde ich da schon die Tatsache, dass einige Forscher davon ausgehen, dass genau in dieser Zeit das Judentum eigentlich erst so richtig entwickelt und definiert wurde. Geprägt von der stark religiösen Kultur von Babylon und seinen Göttern wollte man nicht hinten anstehen und brauchte ein vergleichbar mächtiges Wesen.

Auf jeden Fall dürfte klar sein, dass Esra und später Nehemia stark bestimmten, wie die jüdische Ordnung mit ihren Gesetzen, Vorschriften und Auslegungen auszusehen hatte.

Spannend übrigens auch, dass in die gleiche Zeit das Wirken von Buddha, Sokrates, Aristoteles und anderen philosophischen und religiösen Persönlichkeiten fiel. Esra als Begründer der neuen jüdischen Religion? Gepasst hätte er jedenfalls in diese Zeit.

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