Donnerstag, 7. Mai 2015

König David, der grosse Arschkriecher

Wenn ich Psalm 5 lese, bin ich unschlüssig. Soll ich David als einen der grössten Arschkriecher sehen, der Gott den Honig ums Maul schmiert in der Hoffnung, dass dieser die Makel von David übersehen möge?

Oder ist der Psalm einfach ein weiterer Hinweis darauf, dass Yahweh, der Mono-Gott der Israeliten, halt wirklich nichts mehr als das Maskottchen eines relativ kleinen Volkes war und darüber hinaus niemanden zu lieben brauchte?

Jedenfalls schien sich David beim Schreiben dieses Psalmes noch nicht bewusst zu sein, dass eben dieser Yahweh, der Kriegsgott der Israeliten, einmal der Gott einer Weltreligion sein soll, der alle Menschen (alle, auch die Midianiter und sonstiges Gesindel um Jerusalem herum) liebt.  Der David hätte wohl jeden wütend erschlagen, der zu seiner Zeit so eine Behauptung aufgestellt hätte. Und dass Nächstenliebe mal der grosse Renner unter den Yahweh-Gläubigen sein würde, hätte sich David in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Damals gab's nur die Gläubigen und die Ungläubigen. Letztere sollen Leid erfahren und sterben.

Das wär' doch mal ein Szenario für einen Roman: Die alten historischen oder fiktiven Bibelfiguren mit der späteren Geschichte ihrer Religion zu konfrontieren.

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