Sonntag, 3. Mai 2015

Psalm 2 kann man ersatzlos streichen

Es ist nicht der einzige Text, den man problemlos streichen könnte und damit die Bibel höchstens aufwerten würde. Ich habe ja auch schon erwähnt, dass die Kirche gut beraten wäre, generell das Alte Testament zu entsorgen. Aber so lange die Christen das nicht wirklich lesen, besteht ja keine grössere Gefahr.

Nun aber zum 2. Psalm, den vermutlich angeblich wieder König David geschrieben haben soll. Mir ist das scheissegal, hat wohl eher Prestige-Gründe als historische Beweise, dass man ihm so viele Psalm-Urheberschaften unterjubelt.

Es würde in diesem Fall aber passen, schreibt der Psalmdichter doch von seinen Feinden, die sich gegen ihn und das Volk auflehnen, sich gegen seine Herrschaft wehren wollen. Ein Vorsatz, den man ihnen nicht verübeln kann, wissen wir doch unterdessen, mit wie viel Gewalt und Brutalität die Israeliten im Laufe der biblischen Erzählung Städte eroberten und Völker ausrotteten oder bestenfalls versklavten. Ein bisschen Protest ist da durchaus verständlich.

Doch suggeriert uns der Psalmist, dass Gott darüber nur spöttisch lachen kann. Und der Psalmist wohl auch, denn schliesslich hat Gott ihm versprochen:

8Fordere von mir die ganze Erde, und ich gebe sie dir zum Besitz. Alle Völker gehören dir. 9Zerschlage sie mit eisernem Herrscherstab, zerbrich sie wie Tongeschirr!‹« 

Da haben wir sie wieder, dieses kriegslüsternen Gedanken mit Genozid-Hintergedanken. Die Herrschaft über viele Völker ist noch das Eine, doch hier scheint die ja nur zum Ziel zu haben, sie auszurotten. Wofür soll das gut sein, ausser um dem eigenen Volk Mut für die nächste Schlacht zu machen und vielleicht den Gegner psychologisch einzuschüchtern? 

Wenn es auch für diese beiden Zwecke durchaus geeignete Verse sein mögen, eine Bedeutung für die heutige Zeit haben sie (hoffentlich) nicht. 

Wir haben heute keinen König, der über uns herrscht. Noch nicht einmal die theoretisch als Nachkommen Israels geltenden Juden haben König an der Regierungsspitze. Zudem haben die mehr damit zu tun, überhaupt ihren Flecken Land einigermassen zu verteidigen, als sich mit der Untertanmachung der ganzen Welt zu beschäftigen. 

12Erweist seinem Sohn die Ehre, die ihm zusteht! Sonst trifft euch sein Zorn, und ihr seid verloren; denn schnell wird er zornig. Aber wenn ihr ihm vertraut, werdet ihr sicher und geborgen sein.

Einfach nur lächerliche Angstmacherei. Leere Versprechen. Allein der letzte Satz des Psalms (siehe oben) ist ein Witz. Wenn "sicher und geborgen" heisst, dass einem alles auch passieren kann, was den Ungläubigen passieren kann, man sich darin lediglich fröhlicher fühlt, weil man fälschlicherweise davon ausgeht, es hätte einen göttlichen Sinn, dann kann ich das so stehen lassen. Sonst gilt für den letzten Satz wie auch für den ganzen Psalm 2: Ersatzlos streichen wäre am besten. 

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