Dienstag, 30. Juni 2015

Die Sprüche: Erstes Fazit

Ich staune. In zweifacher Hinsicht. Erstens, weil die Sprüche Salomos tatsächlich kurzweilig und gut zu lesen sind. Das liegt wohl auch daran, dass sich der Autor halt wirklich darauf verzichtet, mehr als eine Zitatsammlung aus dem Buch machen zu wollen.

Zweitens staune ich aber auch, dass ich in meinen vielen Jahren als Christ eigentlich kaum je das Buch der Sprüche gelesen hatte. Natürlich, ich habe - wie viele Christen - überhaupt selten in der Bibel gelesen. Aber die Sprüche wären ja, ganz anders als viele der bisherigen Bücher, locker zu lesen und weitgehend zu verstehen.

Ich bin erst im 11. Kapitel angelangt, möglicherweise wird's auch noch anstrengender. Aber bis dahin liest sich das richtig gut. Und da gibt's auch einige Verse, die man als ok abhaken kann oder sogar echt witzig durchdacht sind.

Samstag, 27. Juni 2015

Karlheinz Deschner: Aphorismen

Er gehörte zu den schärfsten Kirchenkritikern Deutschlands. Er starb im Frühling 2014, kurz vor seinem 90. Geburtstag. Zehn Jahre früher wurde die nachfolgende Sammlung von Aphorismen veröffentlicht.

Mein absoluter Favorit: Ich denke, also bin ich... kein Christ.




Mittwoch, 24. Juni 2015

Christen, lasst euch belehren

Ein verständiger Mensch lässt sich belehren, aber wer sich nichts sagen lässt und nur Unsinn redet, richtet sich selbst zugrunde. (‭Sprüche‬ ‭10‬:‭8‬ HFA)

Ist es wirklich zu viel verlangt von einem Christen, dass er einmal im Jahr auch ein Buch liest, das ihm nicht sorgfältig ausgewählte Bibelstellen wie Honig ums Maul schmiert und den Eindruck erweckt, die Bibel wäre voll solcher Stellen? 

Jeder Christ, der meint, mit mir belehrende Gespräche zu führen, kriegt von mir ein, zwei Buchtipps mit der Aufforderung, sich doch erst Mal über meinen Standpunkt zu informieren. Wie soll ich mit jemandem über die Gedankenwelt des Atheismus reden, wenn sich mein Gegenüber bisher nur in biblisch orientierter Lektüre herumtummelte? Das ist doch ähnlich sinnlos, wie wenn man mit einem Bastler über einen Automotor fachsimpeln möchte, selber aber zwei linke Hände und keine Ahnung von Mechanik hat. 

Ein Dummkopf weiß immer alles besser, ein Kluger nimmt auch Ratschläge an. 
--Sprüche 12, 15

Der Unterschied zwischen einem vernünftig denkenden Menschen und einem Christen ist der, dass der Vernünftige seine Meinung ändern kann, auch in Kernpunkten seiner Meinung. Der Christ hingegen muss an vieles einfach glauben, möglicherweise entgegen jeglicher Logik, und kann keinesfalls eingestehen, dass seine These falsch ist. Denn wenn sie das wäre, würde sein gesamtes Glaubenskonstrukt zu bröckeln beginnen. 

Deshalb flüchten die Christen, die sich überhaupt auf Gespräche einlassen (ich habe gemerkt, dass das viel, viel weniger sind, als ich jemals angenommen hätte) oftmals in Schwammargumente. "Irgendwann werden wir das verstehen" oder "Gottes Wege sind unergründlich" oder was auch immer. Ich nenne sie Schwammargumente, weil sie schwammiger und nichtsaussagender nicht sein könnten. Sie wirken gewichtig, aber wenn man an ihnen rumdrückt, verlieren sie den gesamten Inhalt und sind am Ende fast ohne jegliches Gewicht da. 

Sonntag, 21. Juni 2015

Salomo fördert Prostitution

Na, da bin ich ja mal über was Witziges gestolpert. Fordert doch tatsächlich der überirdisch weise König Salomo in seinen Sprüchen dazu auf, die Huren zu besuchen. Nicht etwa im Sinne einer von Nächstenliebe getriebenen Hilfsaktion an Randständigen, nein, als ganz gewöhnlicher Freier.

In zahlreichen Versen im 6. Kapitel seiner Sprüche warnt der Autor vor dem Techtelmechtel mit verheirateten Frauen und den angeblichen Folgen davon, auf die ich hier jetzt nicht im Detail eingehe, weil sie weniger göttliche Sanktionen beinhalten, als vielmehr hauptsächlich den Verstoss durch die Gemeinschaft. Salomo schläg in diesem Zusammenhang indirekt eine Alternative vor, die ausser dem Preis für die Hure keine weiteren Folgen hat. 

Für eine Hure bezahlst du nur so viel wie für ein Brot, aber wenn du mit einer verheirateten Frau die Ehe brichst, gefährdest du dich selbst. (‭Sprüche‬ ‭6‬:‭26‬ HFA)

Tatsächlich schlägt er die Nutzung der Prostitution nicht nur aktiv vor, sondern er verzichtet auch komplett darauf, daran irgendetwas verwerfliches zu sehen. Es scheint, die Prostituierten waren damals gesellschaftlich zumindest so weit integriert, als sie als normales Gewerbe betrachtet wurden.

Ich habe es nie erlebt, aber ich stelle es mir ungemütlich vor für den gläubigen Kirchengänger, der beim Besuch eines Puffs von anderen Frommen gesehen wird. In der heutigen Praxis kommt wohl für die meisten Christen ein Puff-Besuch nicht in Frage, zumindest moralisch gesehen. Tatsächlich dürfte es trotzdem einige geben, die den Beischlaf gegen Bezahlung nutzen. 

Genau die dürfen aufatmen, es gibt eine Ausrede: Sex mit einer Prostituierten ist viel klüger, als mit einer verheirateten Frau fremd zu gehen. Hat ja schliesslich schon König Salomo so gesehen. 

Donnerstag, 18. Juni 2015

Noch ein dummer Spruch von Salomo

Dass der israelitische König Salomo besonders weise war, ist möglich oder auch nicht. Dass seine Weisheit aber keine Grenzen, er deswegen weit herum bekannt war und jedes Rätsel lösen konnte, ist jedoch sicherlich eine gut verkaufte Legende. 

An Dummheit kaum zu überbieten ist einer seiner angeblichen Sprüche aus dem fünften Kapitel. Er ist nicht nur dumm, er wäre, würde man ihn befolgen, schon fast sicher jedermanns Todesurteil: 

Verlass dich nicht auf deine eigene Urteilskraft, sondern vertraue voll und ganz dem Herrn! (‭Sprüche‬ ‭3‬:‭5‬ HFA)

Glücklicherweise hat auch die Person, die die Sprüche Salomos schrieb oder zusammen stellte, das nicht ernst gemeint. Oder müsste man sagen, nicht wörtlich gemeint? Denn das Argument, dass man das nicht wörtlich nehmen soll, wird ja gerne in jenen Momenten von Christen hervor gekramt, wenn mal wieder ein Vers überhaupt keinen Sinn zu machen scheint. 

Nur, wenn man das nicht wörtlich nehmen soll, wie soll man es dann nehmen? Und welchen Sinn hat es dann noch?

Auf jeden Fall folgt schon ein Kapitel später die Neutralisierung der gefährlichen Aussage, dass man sich nicht auf die eigene Urteilskraft verlassen solle. 

Überleg sorgfältig, was du tun willst, und dann lass dich davon nicht mehr abbringen! (‭Sprüche‬ ‭4‬:‭26‬ HFA)

Das gefällt mir so schon besser. Deutlich besser. 

Montag, 15. Juni 2015

Psalmen ade

Das 2. Buch der Chronik war hart, weil es aus tonnenweise Wiederholungen bestand und äusserst langweilig zu lesen war. Aber die Psalmen sind ähnlich langweilig. Etwa so langweilig, wie wenn man die Texte eines modernen Liederbuchs von vorne bis hinten durchlesen müsste. Manchmal poetisch höherstehend, meistens aber langatmige, blumige Vergleiche und keine Fakten. Wobei für Fakten die Bibel ja vermutlich ohnehin nicht die optimale Lektüre ist.

Ich hab' den Rest der Psalmen, die ja im Grund nichts anderes als Liedtexte und Gedichte sind, die es zufällig in die Bibel geschafft haben, mal eben übersprungen und fahre mit einem vielversprechenden Buch, den Sprüchen, weiter. 

Meine Erwartungshaltung bei diesem Buch ist hoch. Ich erwarte vor allem eines: Unterhaltung. Etwas, das mir das Alte Testament bislang nur ganz selten im Ansatz bieten konnte. 

Als ich noch Christ war, war ich ein typischer Fall. Mit anderen Worten einer, der die Bibel - wenn überhaupt - nur häppchenweise, hochselektiv gelesen hat. Von daher weiss ich nicht so recht, was mich mit den Sprüchen Salomon erwartet, aber ich meine zu wissen, dass da doch einiges an echter Weisheit drin ist. Entsprechend ist meine Erwartung, wie gesagt, ziemlich hoch. 

Leider nervt mich Salomo (wenn er denn wirklich der Autor der Sprüche war) schon im 7. Vers des ersten Kapitels: 

Freitag, 12. Juni 2015

David's Einstellung ist zum Kotzen, Teil 2

Heute lese ich bis zum Psalm 58 und staune einmal mehr, wie der von Rache und Vergeltung geprägte David jemals zur biblischen Kultfigur und zum Aushängeschild der jüdischen (und irgendwie auch christlichen) Geschichte werden konnte. 

Zwar erwähnt er im ihm zugeschriebenen Psalm 58 keine Personen beim Namen. Das ging entweder aus poetischen Gründen oder durch spätere Streichung verloren. Aber es geht auch weniger darum, über wen er schreibt, als viel mehr, was er schreibt. 

Er stellt in den ersten Versen des Psalms die scheinbar rhetorische Frage, ob die Mächtigen seiner Zeit (?) gerecht urteilen würden und kommt zum subjektiven Urteil, dass sie durch und durch ungerecht seien. Und dies von Geburt an. 

Diese Rechtsbrecher sind von Geburt an verlogen und verdorben. (‭Psalmen‬ ‭58‬:‭4‬ HFA)

Ist so als pauschale Aussage schon mal sehr polemisch und hetzerisch. Jeder Idiot - auch König David - wusste und weiss, dass ein Neugeborenes von Kriminellen kein bisschen anders ist als jenes von Priestern. Gut, letztere sollten keine Kinder haben, weil es die Kirche so will, aber der Leser versteht wohl, was ich meine. 

Dienstag, 9. Juni 2015

König Davids Einstellung ist zum Kotzen

Der rachesüchtige Köndig David ist wieder am Werk. Im Beitrag über den Psalm 36 habe ich noch die vielleicht leicht provokante Aussage gemacht, dass Verse wie die von David im 36. Psalm die Grundlage sein können für Genozide und Kriege. Heute liefert uns David mit dem Psalm 53 (auch hier weiss ich natürlich nicht, ob der Autor wirklich David war, passen würde es aber) den Beweis für eben diese Aussage.

Eingangs beschwert er sich über die zahllosen Gottlosen, ihren offenbar wachsenden Einfluss auf die Bevölkerung und darüber, dass sie es wagen, seinen Gott in Frage zu stellen.

Dann, im Vers 6, dringt der von Rache geleitete David voll durch und er prophezeit den damaligen Atheisten baldiges Verderben:

Aber schon bald werden sie in Angst und Schrecken fallen, wie sie es vorher noch nie erlebt haben. Denn Gott wird die Feinde seines Volkes vollkommen vernichten, und ihre Gebeine werden achtlos liegen bleiben. Gott hat sie verworfen und wird sie darum scheitern lassen. (‭Psalmen‬ ‭53‬:‭6‬ HFA)

Es braucht wenig Fantasie um zu erahnen, wie das vonstatten ging. Mit Sicherheit kam keine strahlende Götterfigur vom Himmel runter, schwang das überdimensionierte Superheldenschwert und vernichtete mit übersinnlicher Gewalt alle Zweifler.

Viel eher scharte David mit seinen Weggefährten irgendwann genügend Gleichgesinnte und zog mit Waffengewalt, von Hass getrieben, gegen eben diese Ungläubigen. Es wird gewesen sein, wie immer: Man predigt, Gott würde alle Ungläubigen vernichten, kommt ihm dann aber zuvor und führt die Drecksarbeit gleich selbst aus.

Am Ende hat alles der Mensch getan, Gott gar nichts. Um den eigenen Glauben zu stärken, wird es aber ihm zugeschrieben und als positive Tat vermarktet. Für frühere Zeiten gilt, was auch für die heutige Zeit gilt: Es ist zum Kotzen.

Samstag, 6. Juni 2015

Ein von Hass getriebener König David

Der Gottlose wird durch und durch von der Sünde beherrscht; vor Gott hat er keine Ehrfurcht. Er bildet sich etwas darauf ein, Unrecht zu tun und andere zu hassen. Was er sagt, ist Lug und Trug. Längst hat er aufgehört, sinnvoll zu handeln und Gutes zu tun. Noch vor dem Einschlafen schmiedet er finstere Pläne. Bewusst hat er sich für das Böse entschieden und lässt sich davon nicht abbringen. (‭Psalmen‬ ‭36‬:‭2-5‬ HFA)

Ich bin ein Gottloser. Noch nicht lange, aber ich bin einer. Vor mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht existierenden Wesen habe ich tatsächlich keine Ehrfucht. Warum auch, vor Spiderman und der Zahnfee habe ich auch keine.

Alle anderen Aussagen, die der verblendet wirkende Psalmist in diesen wenigen Versen eingangs des 36. Psalm schreibt, stimmen aber definitiv nicht auf mich zu. Und wohl auch auf die weitaus grössere Mehrheit der übrigen Atheisten dieser Welt nicht. Sie sind einfach Schwachsinn und das Resultat eines tief verwurzelten und für jene Zeit typischen Schwarz-Weiss-Denkens.

Mittwoch, 3. Juni 2015

Kinder sind eigentlich Atheisten

Kinder kommen ohne Wissen zur Welt. Alles, was sie später ausmacht, haben sie auf eine bestimmte Art gelernt. Und was sie lernen, prägt sie - bewusst und unbewusst.

Weil ein Kind erstmal ohne Vorkenntnisse auskommen muss, nimmt es natürlich alles Gehörte für bare Münze. Woher sollte es auch wissen, dass man nicht immer alles glauben sollte?

Wenn ich meinem Kleinkind also beibringe, dass es den Herd nicht anfassen soll, weil es da heiss ist, dann glaubt es mir dies genau so wie die Aussage, der Weihnachtsmann bringe die Geschenke oder der Storch die Kinder.

Glücklicherweise kommt im Laufe der Zeit die Gabe der Beobachtung zum Zuge. Das Kind beobachtet und checkt unbewusst ab, ob das, was man ihm sagt, mit dem übereinstimmt, was es sieht. Würden wir Erwachsenen also nun ständig die Herdplatte anfassen, kämen dem Kind wohl Zweifel. Weil wir uns aber ebenfalls strikt an die Regel "Herd nicht anfassen" halten, hat das Kind keinen Grund, am Sinn dieser Regel zu zweifeln.