Freitag, 12. Juni 2015

David's Einstellung ist zum Kotzen, Teil 2

Heute lese ich bis zum Psalm 58 und staune einmal mehr, wie der von Rache und Vergeltung geprägte David jemals zur biblischen Kultfigur und zum Aushängeschild der jüdischen (und irgendwie auch christlichen) Geschichte werden konnte. 

Zwar erwähnt er im ihm zugeschriebenen Psalm 58 keine Personen beim Namen. Das ging entweder aus poetischen Gründen oder durch spätere Streichung verloren. Aber es geht auch weniger darum, über wen er schreibt, als viel mehr, was er schreibt. 

Er stellt in den ersten Versen des Psalms die scheinbar rhetorische Frage, ob die Mächtigen seiner Zeit (?) gerecht urteilen würden und kommt zum subjektiven Urteil, dass sie durch und durch ungerecht seien. Und dies von Geburt an. 

Diese Rechtsbrecher sind von Geburt an verlogen und verdorben. (‭Psalmen‬ ‭58‬:‭4‬ HFA)

Ist so als pauschale Aussage schon mal sehr polemisch und hetzerisch. Jeder Idiot - auch König David - wusste und weiss, dass ein Neugeborenes von Kriminellen kein bisschen anders ist als jenes von Priestern. Gut, letztere sollten keine Kinder haben, weil es die Kirche so will, aber der Leser versteht wohl, was ich meine. 

Aber wenn man einerseits so hetzerisch und fanatisch schreibt und spricht, und andererseits genügend ähnlich (wenig) denkende findet, hat man - wie ich schon  zum Psalm 53 schrieb - im Prinzip den Grundstein für genozidähnliche Taten gelegt. Denn wer scheut ich schon davor, neugeborene Kinder zu töten, wenn man ja "weiss", dass sie bereits "verlogen und verdorben" sind?

Dann geht's los mit den "frommen Wünschen": 

O Gott, schlage ihnen die Zähne ein! Brich diesen Löwen das Gebiss aus, Herr! Lass diese Mächtigen verschwinden wie Wasser, das im Boden versickert! Wenn sie ihre Waffen einsetzen wollen, schlage sie ihnen aus der Hand! Lass sie eingehen wie Schnecken in sengender Hitze! Wie eine Fehlgeburt sollen sie das Licht der Sonne nicht sehen! Weg mit ihnen! Noch bevor sie ihre hinterhältigen Pläne verwirklichen, soll der Herr sie davonjagen. Gott wird mit ihnen abrechnen! Wer ihm die Treue hält, wird sich darüber freuen und im Blut der Rechtsbrecher waten. (‭Psalmen‬ ‭58‬:‭7-11‬ HFA)

Der tolle König David scheint eindeutig eine starke sadistische Ader haben. Ich meine, er könnte seinen Feinden ja einfach wünschen, dass sie verlieren. Stattdessen nutzt er seine poetischen Fähigkeiten und zeichnet möglichst konkrete, bildhafte und bösartige Bilder. 

Als Schnecke in der sengenden Sonne einzugehen stelle ich mir als ziemlich brutale und langsame Art zu sterben vor. Genau so soll es denen gehen, die David als seine Feinde bezeichnet oder, wie in diesem Fall, den Mächtigen, die nach Meinung Davids nicht ganz fair sind. 

Sehr bezeichnend wieder für die blutrünstige Denkensart, die, da sind wir uns hoffentlich einig, so überhaupt nicht erstrebenswert ist, ist der Vers 11. Nachdem Gott, so hofft David, all dies mit den "Mächtigen" getan hat, wird sich der treue Gläubige "darüber freuen und im Blut der Rechtsbrecher waten". 

Schon sehr sadistisch, wenn man sich daran erfreut, wie eine Schnecke in der heissen Sonne elendiglich verendet. Das Blut der von Gott bestraften muss schon ziemlich hoch stehen, wenn man darin waten soll. Ich stell' mir das ziemlich eklig vor und verspürte bislang noch nie Lust, durch irgendjemandes Blut zu waten. Aber zu einem rachesüchtigen, blutrünstigen und stetig mordenden Königsmonster, wie David eines war, passt das irgendwie. 

Übrigens sei zur Erinnerung erwähnt, dass es sich hier ja nicht einfach um die abscheuliche Fantasie eines Psychopathen handelt. Solche Texte - es gibt einige davon, auch schon in früheren Büchern - stehen immerhin in dem Buch, auf dem die Juden und die Christen ihre Religion bauen. Sie stehen in dem Buch, das angeblich Gottes Wort sein soll. Und, wem das alles noch nicht reicht, sie scheinem in keiner Weise in einem Widerspruch zu stehen mit dem Denken Gottes, mit seinen Plänen und seinen Wünschen. Denn nur allzu oft berichtet die Bibel ja, wie eben dieser Gott bei genau solchen Mätzchen nicht nur die mordenden Israeliten unterstützte, sondern viel mehr noch sie dazu aufforderte. 

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