Dienstag, 30. Juni 2015

Die Sprüche: Erstes Fazit

Ich staune. In zweifacher Hinsicht. Erstens, weil die Sprüche Salomos tatsächlich kurzweilig und gut zu lesen sind. Das liegt wohl auch daran, dass sich der Autor halt wirklich darauf verzichtet, mehr als eine Zitatsammlung aus dem Buch machen zu wollen.

Zweitens staune ich aber auch, dass ich in meinen vielen Jahren als Christ eigentlich kaum je das Buch der Sprüche gelesen hatte. Natürlich, ich habe - wie viele Christen - überhaupt selten in der Bibel gelesen. Aber die Sprüche wären ja, ganz anders als viele der bisherigen Bücher, locker zu lesen und weitgehend zu verstehen.

Ich bin erst im 11. Kapitel angelangt, möglicherweise wird's auch noch anstrengender. Aber bis dahin liest sich das richtig gut. Und da gibt's auch einige Verse, die man als ok abhaken kann oder sogar echt witzig durchdacht sind.

Wie in einem Buch wie der Bibel nicht anders zu erwarten begegnen mir allerdings auch ständig Sprüche, die eigentlich nur eines zum Ziel haben: Den Leuten weiszumachen, dass sie gefälligst Gott treu bleiben sollen. Das hat sehr wahrscheinlich in der Zeit, in der die Sprüche gesammelt und zusammengestellt wurden, auch politische und damit sehr praktische Gründe. Ein König, der sich darauf beruft, von Yahweh eingesetzt worden zu sein, ist natürlich des innenpolitischen Friedens willen sehr daran interessiert, dass sein Volk den Glauben pflegt, aus dem er seine Daseinsberechtigung ableitet.

Ob dann der Inhalt korrekt bzw. wahr war oder eher höchst manipulativ, dürfte nebensächlich gewesen sein.

Wer Gott mit Ehrfurcht begegnet, wird hier auf Erden schon dafür belohnt; erst recht wird jeder bestraft, der von Gott nichts wissen will! 
--Sprüche 11,31

Selbst in einer weniger aufgeklärten Gesellschaft dürfte dem aufmerksamen Beobachter klar geworden sein, dass ehrfürchtiger Gottesglauben kein Garant war für Gesundheit, Reichtum oder Wohlergehen.

Ich kann mir vorstellen, dass es weniger Gott als viel mehr das königliche und priesterliche Personal war, das dafür sorgte, dass es Ketzern und dergleichen etwas schlechter ging als den Gläubigen. Eine Praxis, die dem halbwegs geschichtsinteressierte Leser bekannt vorkommen dürfte, wurde sie doch auch in der katholischen Blütezeit während des Mittelalters gepflegt.

Wer Gott nicht den nötigen Respekt zollte, kriegte Prügelstrafe, wurde eingekerkert oder gar gefoltert und getötet. So verhilft dann die jeweils verantwortliche Exekutive dem obigen Vers zur Wahrheit.

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