Samstag, 6. Juni 2015

Ein von Hass getriebener König David

Der Gottlose wird durch und durch von der Sünde beherrscht; vor Gott hat er keine Ehrfurcht. Er bildet sich etwas darauf ein, Unrecht zu tun und andere zu hassen. Was er sagt, ist Lug und Trug. Längst hat er aufgehört, sinnvoll zu handeln und Gutes zu tun. Noch vor dem Einschlafen schmiedet er finstere Pläne. Bewusst hat er sich für das Böse entschieden und lässt sich davon nicht abbringen. (‭Psalmen‬ ‭36‬:‭2-5‬ HFA)

Ich bin ein Gottloser. Noch nicht lange, aber ich bin einer. Vor mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht existierenden Wesen habe ich tatsächlich keine Ehrfucht. Warum auch, vor Spiderman und der Zahnfee habe ich auch keine.

Alle anderen Aussagen, die der verblendet wirkende Psalmist in diesen wenigen Versen eingangs des 36. Psalm schreibt, stimmen aber definitiv nicht auf mich zu. Und wohl auch auf die weitaus grössere Mehrheit der übrigen Atheisten dieser Welt nicht. Sie sind einfach Schwachsinn und das Resultat eines tief verwurzelten und für jene Zeit typischen Schwarz-Weiss-Denkens.

Ist der Autor dieses Psalmes tatsächlich König David, ist es jedoch verständlich, dass er so schreibt, jegliche Graustufen zwischen den "guten Gläubigen" und den "bösen Ungläubigen" ignorierend. Nur unter Zuhilfenahme solcher Gut-Böse-Konstrukten lassen sich Feldzüge gegen andere Städte und Stämme rechtfertigen. Sie sind die Grundvoraussetzung, um die restlose Vernichtung von Völker durchzusetzen, entgegen dem Gebot, man solle nicht töten.

Nur die jahrelange Propaganda, dass das deutsche Volk, dass die Arier die einzige überlebenswerte Rasse seien, liess sich der Hass gegen alles Andersartige schüren. Ein Denken ohne Graustufen ist nötig, um einen Genozid oder vergleichbare Gräueltaten zu ermöglichen. Das gleiche extremistische Denken, das im für den gläubigen Christen so harmlos daherkommenden 36. Psalmes verkündet wird, wenden heute auch Islamisten, z.B. beim IS, an.

Die Behauptung, dass nur der eigene Glauben der einzig richtige ist und vor allem, dass alle andersdenkenden Menschen von Bosheit erfüllt sind und nur niederträchtige Gedanken haben, ist die Grundlage für Hass, Bekriegung und Vernichtung eben dieser Andersgläubigen oder -denkenden.

Wohlverstanden, ich meine nicht, dass die Bekämpfung die zwingende Folge ist, aber sie ist die Voraussetzung. Und dass es leider nur allzu oft in Krieg und Gewalt mündete, lehrt uns die Geschichte. Und auch David "hofft" an vielen Stellen seiner Psalmen, dass es seinen Feinden an den Kragen geht. Er bittet zwar Gott um Unterstützung (auch kriegerische) gegen seine Feinde. Wir wissen aber aus verschiedenen Bibelstellen, dass er sich nicht zu schade war, Mordschlag persönlich anzuordnen.

So gesehen ist David, wenn er denn der Schreiber dieses Psalmes ist, nichts anderes als ein Hassprediger.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen