Montag, 15. Juni 2015

Psalmen ade

Das 2. Buch der Chronik war hart, weil es aus tonnenweise Wiederholungen bestand und äusserst langweilig zu lesen war. Aber die Psalmen sind ähnlich langweilig. Etwa so langweilig, wie wenn man die Texte eines modernen Liederbuchs von vorne bis hinten durchlesen müsste. Manchmal poetisch höherstehend, meistens aber langatmige, blumige Vergleiche und keine Fakten. Wobei für Fakten die Bibel ja vermutlich ohnehin nicht die optimale Lektüre ist.

Ich hab' den Rest der Psalmen, die ja im Grund nichts anderes als Liedtexte und Gedichte sind, die es zufällig in die Bibel geschafft haben, mal eben übersprungen und fahre mit einem vielversprechenden Buch, den Sprüchen, weiter. 

Meine Erwartungshaltung bei diesem Buch ist hoch. Ich erwarte vor allem eines: Unterhaltung. Etwas, das mir das Alte Testament bislang nur ganz selten im Ansatz bieten konnte. 

Als ich noch Christ war, war ich ein typischer Fall. Mit anderen Worten einer, der die Bibel - wenn überhaupt - nur häppchenweise, hochselektiv gelesen hat. Von daher weiss ich nicht so recht, was mich mit den Sprüchen Salomon erwartet, aber ich meine zu wissen, dass da doch einiges an echter Weisheit drin ist. Entsprechend ist meine Erwartung, wie gesagt, ziemlich hoch. 

Leider nervt mich Salomo (wenn er denn wirklich der Autor der Sprüche war) schon im 7. Vers des ersten Kapitels: 

Alle Erkenntnis beginnt damit, dass man Ehrfurcht vor dem Herrn hat. Nur ein Dummkopf lehnt Lebensweisheit und Selbstbeherrschung ab. (‭Sprüche‬ ‭1‬:‭7‬ HFA)

War nicht die Frucht, die Eva vom verbotenen Baum ass, die Frucht der Erkenntnis? Alle Erkenntnis beginnt also eher mit dem Biss in die verbotene Frucht bzw. mit Eva. Schon mal falsch gelegen, Herr Salomo. 

Ausserdem lehrt uns die Geschichte, dass die Ehrfurcht vor dem Herrn eher ein Hindernis war für grosse Erkenntnisse. Kein Wunder, wer an hunderte Jahre alten Schriften festhält und meint, darin der Weisheit letzter Schluss zu finden, der kann ja erkenntnistechnisch keine grossen Sprünge erwarten. Die Ehrfurcht vor dem Herrn und das kleinliche Handeln nach "seiner heiligen Schrift" sorgt dafür, dass man stehen bleibt in einem 2000 Jahre alten archaischen, heute hoffnungslos veralteten Denken. 

Der zweite Teil von Vers sieben ist für sich gesehen natürlich korrekt. Nur dass der Autor das so eng mit der Ehrfurcht vor dem Herrn in Verbindung bringt, lässt mich vermuten, dass er da auch tatsächlich einen Zusammenhang zwischen dieser Ehrfurcht und der Lebensweisheit und Selbstbeherrschung sieht. So was wäre dann hingegen völliger Quatsch.

Es ist nicht so, dass es keine gottesfürchtigen Menschen gibt. Aber die grössten Sprüng in Sachen Weisheit wurden nicht nur ausserhalb der Kirche gemacht, sondern nicht selten auch gegen grösstmöglichen Widerstand derselben. 

Wie auch immer, ich geb' dem Sprüche-Buch eine Chance und bin gespannt. 

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