Donnerstag, 30. Juli 2015

Nichts Neues

Nichts Neues unter der Sonne - ein Spruch, den man noch heute ab und an hört. Im Buch Prediger dient dieser Gedanke, ein bisschen ausgebaut, als Einleitung. Im Originaltext sicherlich ziemlich poetisch wird da oberflächlich philosophiert.  

Alles ist vergänglich und vergeblich, sagte der Prediger, nichts hat Bestand, ja, alles ist völlig sinnlos! (‭Prediger‬ ‭1‬:‭2‬ HFA)

Alles ist vergänglich, da kann ich noch zustimmen. Eine Tatsache, der sich auch und vor allem religiöse Menschen bewusst sein sollten. Denn etwas ist vor allem anderen vergänglich: Das eigene Leben. Wer auf ein zweites nach dem irdischen Tod hofft, hat vielleicht Trost in schwierigen Zeiten. Aber die Hoffnung auf ein zweites, ewiges, besseres oder einfach anderes Leben nimmt dem echten irdischen Leben viel zu viel von seinem Glanz. Was habe ich Menschen kennen gelernt, die sich selber quälen durch Regeln, die ihnen das Leben erschweren, nur weil sie meinen, deren Einhaltung wäre irgendwie hilfreich für ein späteres Leben nach dem Tod. Nun gut, muss jeder selber wissen, so lange er oder sie nicht versucht, das eigene Verhalten anderen aufzuzwingen. 

Dass aber alles vergeblich sein soll, ja, alles völlig sinnlos wäre, find' ich schon eine seltsame Meinung. Das Leben an sich, die Tatsache, dass wir als Menschen existieren, mag vielleicht keinem grösseren Sinn untergeordnet sein. Wer aber auf sein persönliches Leben bezogen meint, es wäre alles vergeblich und sinnlos, leidet wohl an Depressionen oder etwas Vergleichbarem. Wo kein Sinn vorhanden ist, kann man ja selber einen Sinn geben. 

Samstag, 25. Juli 2015

Gott ist gross und erhört Gebete

Ich betete für den Weltfrieden.
Nichts passierte.

Ich betete für die hungernden Kinder in Afrika.
Nichts änderte sich.

Ich betete für die Gesundheit meines Nachbarn.
Er starb drei Wochen später.

Ich betete für die verfolgten Christen in Syrien.
Sie wurden trotzdem umgebracht.

Ich betete dafür, dass ich meinen Schlüssel wieder finde.
Eine Viertelstunde später fand ich ihn.
Gott ist gross und erhört Gebete. Hallelujah.
Davon muss ich nächsten Sonntag unbedingt in der Kirche berichten!

Montag, 20. Juli 2015

Frag Gott - wirf das Los.

Der Mensch wirft das Los, um Gott zu befragen; und Gott allein bestimmt die Antwort. (‭Sprüche‬ ‭16‬:‭33‬ HFA)

Dieser Vers kommt mir bekannt vor. In der Zeit, als Moses das Volk Israel durch die Wüste geführt haben will, wurde so was in der Art schon erwähnt. Damals konnten (oder besser durften) nur die Hohepriester das Los werfen. Ich meine darüber einen kurzen Blog-Beitrag geschrieben zu haben, kann ihn aber grad nicht finden. 

Zur Zeit Salomos scheinen sich die Regeln etwas gelockert zu haben, immerhin werfen hier die Menschen das Los, nicht nur ausdrücklich die Hohepriester. 

Leider weiss ich nicht, um was für eine Art von Los es sich handelte. War es eine einfache Los-Technik, so wie wenn man eine Münze wirft und dann eine 50%-Chance hat und man nur gerade nach Variante A oder B, ja oder nein fragen konnte? Oder waren es ausgeklügelte, mehrseitige Würfel, mit denen sechs oder noch mehr mögliche Antworten erfragt werden konnten?

Wie auch immer, letztlich entschied ja offensichtlich der Mensch, der das Los warf, darüber, welche Optionen zur Auswahl standen. Das war natürlich praktisch, konnte man so zumindest allzu böse Überraschungen verhindern. Fragte man Gott, ob man diese oder jene Frau heiraten sollte, konnte Gott zumindest nicht mit dem Vorschlag kommen, gar keine zur Frau zu nehmen. 

Und das Werfen eines Loses um den Willen Gottes zu erfragen hatte noch einen grossen Vorteil. Gefiel einem die Antwort Gottes nicht, konnte man einfach nochmals werfen. Und nochmals. Und nochmals. Aha, seht ihr, jetzt hat Gott eingelenkt. 

Mittwoch, 15. Juli 2015

Graue Haare

Graues Haar ist ein würdevoller Schmuck — angemessen für alle, die Gottes Geboten folgen. (‭Sprüche‬ ‭16‬:‭31‬ HFA)

Da bin ich aber beruhigt, dass das, was von meinen Haaren noch übrig ist, ein würdevoller Schmuck sein soll. Mir wär's allerdings noch lieber, der Sprücheklopfer (so nenn' ich den Autor der Sprüchesammlung mal) hätte auch was zur Glatze gesagt. Schliesslich ist sie doch so was wie die Steigerungsform von grauen Haaren, nicht?

Oder ist der Spruch des Autors anders zu verstehen? Dass die grauen Haare eben würdevoll seien, im Vergleich zu gar keinen Haaren? Hatten die Menschen zu Salomos Zeit gar keine Glatzen? Wie haben sie sich gefühlt, glatzköpfig herum zu laufen, wenn doch graue Haare ein würdevoller Schmuck waren? Fühlten sie sich ausgegrenzt?

Freitag, 10. Juli 2015

Schlag dein Kind

Wer sein Kind nie schlägt, der liebt es nicht. Wer sein Kind liebt, der bestraft es beizeiten. 
--Sprüche 13, 24

Erspare deinem Kind die harte Strafe nicht! Ein paar Hiebe werden es nicht umbringen! Im Gegenteil: du rettest sein Leben damit!
--Sprüche 21, 13-14

Kinder, wenn ihr von euren Eltern geschlagen werdet, dann bedeutet das nicht, dass eure gewalttätig sind. Es heisst auch nicht, dass sie unfähig sind, eine kindergerechte Erziehung zu gewährleisten. Nein, nein. Die wollen euch damit biblisch begründet zeigen, dass sie euch wahnsinnig gern haben.

Eine Tracht Prügel hier, ein paar Ohrfeigen da hat nicht nur noch niemandem geschadet, sondern ist wohl einer der grössten und nachhaltigsten Liebesbeweise. Der liebe Gott hat das so gewollt, drum liess er es in das seltsame Buch namens Bibel schreiben.

Zum Glück sind wir heute, bis auf einige Ausnahmen, einen Schritt weiter und bestrafen nach Möglichkeit diejenigen, die ihre körperliche Überlegenheit dazu nutzen, schwächeren Lebewesen Schmerzen und Schaden zuzufügen. Leider erwischen wir nicht alle.

Sonntag, 5. Juli 2015

Kein Unheil den Gläubigen?

Kein Unglück geschieht den Menschen, die Gott gehorchen; über den Ungehorsamen aber bricht das Unheil zusammen.
--Sprüche 12, 21

Mitunter frage ich mich schon, ob es tatsächlich Menschen gab und gibt, die an so etwas voller Überzeugung glauben können.

Natürlich, man kann den Standpunkt vertreten, dass auch ein vermeintliches Unheil letztlich zum Besten dient und einen tieferen, uns verborgenen Sinn hat. Aber glaubt man das dann auch wirklich oder ist es nicht viel eher ein Versuch, in seiner Hilflosigkeit einen kleinen Trost zu erhalten?

Nehmen wir an (und das ist jetzt ein Beispiel, das ich ziemlich nahe erlebt habe), der Vater von zwei Kindern im Grundschulalter erkrankt an Krebs und stirbt nach monatelangem Leiden daran. Ich hätte jetzt nicht den Mut, der Witwe obigen Vers vor die Nase zu halten. Auch wenn sie bei fast jeder Gelegenheit erwähnt, dass "es" wohl einen höheren Sinn habe, den sie heute leider noch nicht verstehe.