Sonntag, 5. Juli 2015

Kein Unheil den Gläubigen?

Kein Unglück geschieht den Menschen, die Gott gehorchen; über den Ungehorsamen aber bricht das Unheil zusammen.
--Sprüche 12, 21

Mitunter frage ich mich schon, ob es tatsächlich Menschen gab und gibt, die an so etwas voller Überzeugung glauben können.

Natürlich, man kann den Standpunkt vertreten, dass auch ein vermeintliches Unheil letztlich zum Besten dient und einen tieferen, uns verborgenen Sinn hat. Aber glaubt man das dann auch wirklich oder ist es nicht viel eher ein Versuch, in seiner Hilflosigkeit einen kleinen Trost zu erhalten?

Nehmen wir an (und das ist jetzt ein Beispiel, das ich ziemlich nahe erlebt habe), der Vater von zwei Kindern im Grundschulalter erkrankt an Krebs und stirbt nach monatelangem Leiden daran. Ich hätte jetzt nicht den Mut, der Witwe obigen Vers vor die Nase zu halten. Auch wenn sie bei fast jeder Gelegenheit erwähnt, dass "es" wohl einen höheren Sinn habe, den sie heute leider noch nicht verstehe.

Meine persönliche Meinung ist da deutlich weniger übernatürlich. Ich gehe davon aus, dass der Krebs, also die Zellveränderungen, aufgrund irgendeines ungesunden Verhaltens oder halt einfach als Laune der Natur entstand und seinen Körper langsam vernichtete. Das klingt jetzt lapidar, aber die einen haben Glück, die anderen Pech. Es kann jeden erwischen, oder auch nicht.

Natürlich, wenn sie wirklich an den höheren Sinn glaubt und es ihr somit Trost spendet, will ich ihr das zumindest in der langen Trauerzeit nicht nehmen. Aber ich wundere mich schon, dass die Christen sich kaum je die Frage stellen, ob es

a) eine Alternative zu ihrer Betrachtungsweise gibt und
b) welche Alternative als die wahrscheinlichere erscheint.

Solange es Optionen gibt, die nach heutigem Wissensstand wahrscheinlicher sind, sollte man tunlichst darauf verzichten, an Übernatürliches zu glauben. Und selbst das Fehlen realistischerer Alternativen ist natürlich längstens kein Beweis für etwas Übernatürliches.

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