Sonntag, 30. August 2015

Pass auf, Gott sieht alles

Du junger Mensch, genieße deine Jugend, und freu dich in der Blüte deines Lebens! Tu, was dein Herz dir sagt und was deinen Augen gefällt! Aber sei dir bewusst, dass Gott dich für alles zur Rechenschaft ziehen wird! (‭Prediger‬ ‭11‬:‭9‬ HFA)

Schade, da gibt der Schreiber mal etwas halbwegs Schlaues von sich und macht es danach gleich pädagogisch dumm zunichte. 

Das Bewusstsein, dass Gott alles sieht und mich irgendwann zur Rechenschaft ziehen wird, hat mich in meinen jungen Jahren von so manchem Spass abgehalten. Mein Herz sagte zwar immer wieder, was es gerne tun würde und meine Augen wussten, was ihnen gefällt. 

Aber wie soll man seine Jugend wirklich geniessen und das tun, was dem Herz gefällt, wenn ständig diese Angst über Gottes Gericht im Hinterkopf rumschwirrt? Man ist dann eben genau nicht herzgetrieben, sondern von der Angst bestimmt, auf keinen Fall etwas Falsches zu tun. Welche Verschwendung von jungen Jahren hat es deswegen auf dieser Welt gerade in religiösen Kreisen wohl schon gegeben?

Wie viel schöner wäre es, wenn statt der Warnung vor Gottes Rechenschaft der Hinweis stehen würde, dass man nichts tun soll, das anderen schadet? Die Kinder und Jugendlichen, die ohne ihr Verschulden in kirchlichen Kreisen aufwachsen, würden sich wohl viel freier fühlen, müssten sie "nur" auf andere Menschen Rücksicht nehmen und nicht in ohnehin widersprüchlichen und schwer verständlichen alten Schriften heraussuchen, ob sie dies oder jenes tun dürften.  

Dienstag, 25. August 2015

Blabla

Denk erst nach, bevor du betest, sei nicht zu voreilig! Denn Gott ist im Himmel, und du bist auf der Erde — also sei sparsam mit deinen Worten! (‭Prediger‬ ‭5‬:‭1‬ HFA)

Oh, das sollten sich einige Christen mal zu Herzen nehmen. Was habe ich innerlich kopfschüttelnd da gesessen während Leute, die sich allzu gerne selber sprechen hörten, ihre Gebete sprachen. 

Endlose Gespräche, gespickt mit kirchlichen Floskeln, die manch einer wohl kaum hätte erklären können. Minutenlanges frommes Blabla folgte dem nächsten, als würde die Dauer eines Gebetes etwas über dessen Qualität aussagen. 

Am schlimmsten waren diejenigen, die meinten, sie müssten das Gebet als Predigtplattform benutzen und darin ihre Meinung kundtaten. Und die anderen Beter in der Runde "mussten" dem Redner auch noch indirekt Recht geben indem sie sein Amen am Ende unisono wiederholten.  

Donnerstag, 20. August 2015

Muntermacher

Wie glücklich sind doch die Toten, sie haben es viel besser als die Lebenden! Noch besser aber geht es denen, die gar nicht erst geboren wurden! (‭Prediger‬ ‭4‬:‭2-3‬ HFA)

Ein prima Muntermacher für depressiv geplagte Christen. Da kann man sich ja gleich die Kugel geben. 

Vielleicht sollte ich anfangen, ganz im Stile der unter Christen verbreiteten Losungen, solche "mutmachenden" Verse zu sammeln. 

Was höre ich vom christlichen Leser, der Vers sei aus dem Zusammenhang gerissen? Man könne doch nicht einfach so einen kontextlosen Vers für irgendwelche Zwecke verwenden? Das kommt mir aber bekannt vor.  

Samstag, 15. August 2015

Gut, dass Salomo noch nicht alles wusste

Ich habe begriffen, dass Gott die Menschen prüft. Sie sollen erkennen: Nichts unterscheidet sie von den Tieren. Denn auf Mensch und Tier wartet das gleiche Schicksal: Beiden gab Gott das Leben, und beide müssen sterben. Der Mensch hat dem Tier nichts voraus, denn auch er ist vergänglich. Sie alle gehen an denselben Ort — aus dem Staub der Erde sind sie entstanden, und zum Staub der Erde kehren sie zurück. Wer weiß schon, ob der Geist des Menschen wirklich nach oben steigt, der Geist des Tieres aber in die Erde hinabsinkt? So erkannte ich: Ein Mensch kann nichts Besseres tun, als die Früchte seiner Arbeit zu genießen — das ist sein einziger Lohn. Denn niemand kann sagen, was nach dem Tod geschehen wird! (‭Prediger‬ ‭3‬:‭18-22‬ HFA)

Lieber König Salomo

Diese Verse, wie übrigens das ganze Buch Prediger, werden dir zugeschrieben. Deshalb richte ich diese meine Worte auch an dich, obwohl ich ja noch nicht einmal weiss, ob es dich wirklich so gegeben hat. Bei den vielen übertrieben klingenden Lobhudeleien wächst im kritischen Leser schon der Verdacht, dass du vielleicht Märchen- als reale Figur gewesen sein könntest. 

Montag, 10. August 2015

Wie alles begann

Alles hat seine Zeit. Ein Ausspruch, den man auch heute noch hört. Und wohl nur wenig wissen, dass er biblischen Ursprungs ist. Der Prediger-Autor will uns weismachen, dass es unter anderem eine Zeit für Liebe und eine Zeit für Hass gibt, eine Zeit für Krieg und eine für Frieden. Halleluja, auch Hass und Krieg können also gerechtfertigt werden. Ich bin mir an dieser Stelle durchaus bewusst, dass dies die Bibel nicht zum ersten Mal aussagt. Aber während die von Gott verordneten Feldzüge stets spezifische Ereignisse waren, schreibt hier einer ganz lapidar, dass Hass und Krieg halt einfach ihren Platz haben. Übrigens gilt das unter anderem auch für Heilen und Töten. Die Details lassen sich in Prediger 3, 1-8 nachlesen. 

Mir fällt heute aber ein Vers besonders positiv auf: 

Für alles auf der Welt hat Gott schon vorher die rechte Zeit bestimmt. (‭Prediger‬ ‭3‬:‭11‬ HFA)

Warum positiv? Weil der Inhalt dieses Satzes letztlich der Auslöser für mich war, dem christlichen Glauben den Rücken zu kehren. 

Wenn man diesen Teil eines Verses wörtlich und ernst nimmt, dann glaubt man, dass alles, was passiert von Gott vorher bestimmt ist. Das bedeutet aber auch, dass es seinem Willen entspricht, denn warum sollte Gott etwas bestimmen und zulassen, wenn es nicht seinem Willen entspricht?

Mittwoch, 5. August 2015

Reichtum ohne Sinn

Auch mein Besitz, für den ich mich mein Leben lang abgemüht hatte, war mir verleidet, denn ich begriff, dass ich einmal alles meinem Nachfolger hinterlassen muss. Und wer weiß schon, ob der weise oder töricht sein wird? Doch er wird alles besitzen, was ich durch meine Arbeit und mein Wissen erworben habe. Wie sinnlos! Als ich das erkannte, begann ich zu verzweifeln, weil ich mich mein Leben lang so geplagt hatte. Da hat man mit seinem Wissen, seinen Fähigkeiten und seinem Fleiß etwas erreicht und muss es dann an einen anderen abtreten, der sich nie darum gekümmert hat! Das ist so sinnlos und ungerecht! Denn was bleibt dem Menschen von seiner Mühe und von all seinen Plänen? (‭Prediger‬ ‭2‬:‭18-22‬ HFA)

So etwas schreibt ein König. Ein König, der wohl sein Leben damit verbrachte, in Saus und Braus zu leben, seine angeblich bis zu 700 Frauen zu geniessen und Völker um ihn herum bekämpfte und unterdrückte. Einer zudem, der seinen Reichtum nebst Eroberungsfeldzügen vor allem den erhobenen Steuern zu verdanken hatte. Sein Wissen, seine Fähigkeiten und seinen Fleiss waren ihm da sicherlich dienlich, aber Salomo wurde nicht reich, weil er ein fleissiger Arbeiter war, sondern weil er zufällig in eine Königsfamilie geboren wurde und das adelige Amt erben konnte.

In diesem Licht sind diese Aussagen ähnlich lächerlich, wie wenn sie aus dem Munde eines verwöhnten Milliardärssöhnchens kämen.