Mittwoch, 5. August 2015

Reichtum ohne Sinn

Auch mein Besitz, für den ich mich mein Leben lang abgemüht hatte, war mir verleidet, denn ich begriff, dass ich einmal alles meinem Nachfolger hinterlassen muss. Und wer weiß schon, ob der weise oder töricht sein wird? Doch er wird alles besitzen, was ich durch meine Arbeit und mein Wissen erworben habe. Wie sinnlos! Als ich das erkannte, begann ich zu verzweifeln, weil ich mich mein Leben lang so geplagt hatte. Da hat man mit seinem Wissen, seinen Fähigkeiten und seinem Fleiß etwas erreicht und muss es dann an einen anderen abtreten, der sich nie darum gekümmert hat! Das ist so sinnlos und ungerecht! Denn was bleibt dem Menschen von seiner Mühe und von all seinen Plänen? (‭Prediger‬ ‭2‬:‭18-22‬ HFA)

So etwas schreibt ein König. Ein König, der wohl sein Leben damit verbrachte, in Saus und Braus zu leben, seine angeblich bis zu 700 Frauen zu geniessen und Völker um ihn herum bekämpfte und unterdrückte. Einer zudem, der seinen Reichtum nebst Eroberungsfeldzügen vor allem den erhobenen Steuern zu verdanken hatte. Sein Wissen, seine Fähigkeiten und seinen Fleiss waren ihm da sicherlich dienlich, aber Salomo wurde nicht reich, weil er ein fleissiger Arbeiter war, sondern weil er zufällig in eine Königsfamilie geboren wurde und das adelige Amt erben konnte.

In diesem Licht sind diese Aussagen ähnlich lächerlich, wie wenn sie aus dem Munde eines verwöhnten Milliardärssöhnchens kämen. 

Reichtum muss durchaus nicht sinnlos sein. Aber man muss ihm halt einen Sinn geben (wollen). So könnte man wohl mit Hilfe der königlichen Schatzkammer Zehntausende Hungernde verpflegen, Millionen ungebildeter Bürger ausbilden oder einfach mal in eine aufgeklärte Gesellschaft investieren. 

Leider haben nur allzu viele Könige der Antike - wie auch Salomo, wenn es ihn denn wirklich gab - lieber in die Religion ihres Landes investiert. Und selbst das primär aus eigennützigen Motiven. Die Religion des Volkes, oder besser des Königs, war das, was das Volk zusammen und bei Laune hielt. Sie war die grossartige Möglichkeit des Königshauses, die Gesellschaft zu manipulieren und zu Dingen zu bewegen, die über einen königlichen Erlass möglicherweise nur zu Aufständen geführt hätten. 

Oder wie sonst konnte ein König seine in Frieden lebenden Untertanen dafür begeistern, in einen Krieg zu ziehen als durch religiöse Versprechen und Verheissungen? Eine Manipulation, die - bewusst oder unbewusst ausgeübt - leider auch heute noch allzu gut funktioniert.  

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