Mittwoch, 30. September 2015

Jesaja 11

In Jesaja 11 fährt der Autor fort mit den Verheissungen, die eine schöne Zukunft mit dem sog. Messias versprechen. Und hier wird er auch tatsächlich etwas konkreter und damit messbarer mit seinen Prophezeihungen.

In einem ersten Teil lobt er die Fähigkeiten dieses Retters, seine Urteilsfähigkeit, sein gerechtes Richten und seine Macht. Tatsächlich sind es Fähigkeiten, die fast schon mit Sicherheit ein überirdisches Wesen beschreiben müssen. Dass die Fähigkeiten eines Königs aber durchaus poetisch und fantasievoll ausgeschmückt werden, ist nichts Neues. Da sind die Könige David und Salomo beste Beispiele, da die archäologischen Funde und Schriften fremder Völker zwar nicht beweisen, dass sie gar nie existierten, aber doch die Annahme nahe legen, dass sie bei Weitem nicht so gross und mächtig waren, wie es die Bibel zu vermitteln versucht.

Ein zweiter Teil schildert märchenhaftes Nebeneinander von Tieren, die in der jeweiligen Nahrungskette übereinander stehen. Dass Tiger neben Lämmer, Bären neben Kühen und Wölfe neben Schafen in friedlicher Eintracht leben, dürfte nur bei 100%iger Sattheit des jeweils stärkeren Tiers der Fall sein und kann deshalb wohl nur als Sinnbild für allgemeinen Frieden interpretiert werden. Ein Löwe, der Heu frisst, dürfte schon rein anatomisch nicht so ganz realistisch sein. Das behaupte ich jetzt mal, ohne dafür Spezialist zu sein.

Im dritten Teil dieses Kapitels erwähnt dann der Schreiber diverse Ereignisse kriegerischer Natur. Zuerst erwähnt er, dass Gott die Israeliten aus aller Welt zurück holt und sie vereint. Durchaus verständlich, dass das von denjenigen, die es so sehen wollen, als Vorhersage für die neue Gründung des Staates Israel im 20. Jahrhundert betrachten. Der Hinweis des Autos, von woher die Israeliten aber zurück kommen, deutet wieder eher darauf hin, dass die nähere Zukunft und eben nicht das 20. Jahrhundert gemeint war.

Und dann folgen die kriegerischen Erfolge, die Israel danach bevorstehen sollen. Es folgen lauter Aufzählungen von Völkern, die besiegt werden, die aber so 1948, bei der Neugründung, gar nicht mehr existierten geschweige denn so erfolgreich bekämpft und besiegt werden konnten, wie es der Jesaja-Schreiber prophezeite.

Auch dies wieder Hinweise, die sich für den kritischen Leser vielleicht nicht 100% sicher, aber doch mit grösserer Wahrscheinlichkeit auf die nähere Zukunft der Entstehung dieses Buches beziehen und nicht auf 1948. Abgesehen davon: Selbst wenn sie sich auf 1948 beziehen würden, wären sie nicht oder höchstens zu kleinen Teilen erfüllt. Denn der wesentliche Punkt, die Ankunft des Messias, hat keinen direkten Zusammenhang mit der Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Angenommen, die Prophezeiungen hätten sich auf Jesus bezogen und er wäre tatsächlich der gewesen, wozu er später gemacht wurde, wäre ja nur ein kleiner Teil der zahlreichen Prophezeihungen in Erfüllung gegangen. Und wenn ein heutiger Wahrsager zehn Vorhersagen macht und eine oder zwei davon in Erfüllung gehen (zudem noch so wenig klare und konkrete) würde man das als Glückstreffer abtun. Aber im Falle der Bibel ist jedes noch so kleine Mosaiksteinchen sofort ein Grund zu jubeln. Kann man das wirklich ernst nehmen?

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