Sonntag, 20. September 2015

Nur noch Frieden

Gott selbst schlichtet den Streit zwischen den Völkern, und unter den Nationen spricht er Recht. Dann schmieden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen um und ihre Speere zu Winzermessern. Kein Volk wird mehr das andere angreifen; niemand lernt mehr, Krieg zu führen. (‭Jesaja‬ ‭2‬:‭4‬ HFA)

Zu schön, um wahr zu sein.

Ein von Kriegen und harter Arbeit gebeuteltes Volk, das zudem nicht aufgeklärt und gebildet war, könnte Jesaja mit solchen Worten vielleicht noch überzeugen. Gelungen ist es ihm ja aber offensichtlich auch nicht.

Sowieso kamen die Worte nicht von Gott, sondern von Jesaja. Ein Mann, der vielleicht eine Art Vision hatte (kannten die damals schon Rauschmittel?) oder einfach nur ein tiefes Verlangen nach Frieden, Harmonie und Einheit hatte, was ihm natürlich auch hoch angerechnet werden darf.

Aber auch er hatte vermutlich ein grosses Interesse, dass die damals offenbar gottlose Gesellschaft sich wieder für den Herrn interessierte. Denn man darf annehmen, dass er von Almosen lebte, und die fliessen bekanntlich schneller, wenn das Zielpublikum gleicher Meinung ist und einen als Anführer, Leiter oder Prediger akzeptiert.

Jesaja, und auch andere Propheten, waren sich dieser Tatsache durchaus bewusst und versuchten so auch immer wieder, die Menschen zurück zum religiösen Glauben zu führen und versprachen ihnen dafür Frieden, gute Ernte, Wohlergehen und andere tollen Dinge.

Leider wissen wir aus der Geschichte nur allzu gut, dass religiöse Überzeugung zwar ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln kann, zum weitreichenden friedlichen Zusammenleben aber wenig taugt. Und das je weniger, je stärker die Religion in einem Land alltagsbestimmend ist. Mir ist jedenfalls kein Land bekannt, bei dem die Religion omnipräsent ist und in dem über lange Zeit Frieden herrscht.

Eigentlich fast schade, dass Gott es nicht tatsächlich schaffte, den Streit zwischen den Völkern zu schlichten. Irgendwie hat er da den richtigen Zeitpunkt verschlafen. Wir sind heute jedenfalls weiter den je davon entfernt, uns noch Hoffnung zu machen, dass der eingangs erwähnte Vers Wirklichkeit werden könnte. Noch nie gab es so viele Gründe, Krieg zu führen. Und noch nie wurde so viel Geld für Krieg ausgegeben. Tendenz steigend.

Wie gesagt: Zu schön, um wahr zu sein.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen