Sonntag, 25. Oktober 2015

Eine erfüllte Prophezeiung?

Es kommt die Zeit, da werden die Nachkommen Jakobs wieder in ihrem Land Wurzeln schlagen. Israel wird grünen und blühen und mit seinen Früchten die ganze Erde bedecken. (‭Jesaja‬ ‭27‬:‭6‬ HFA)

Eine erfüllte Prophezeiung. Schliesslich ist tatsächlich in Erfüllung gegangen, was hier im Buch Jesaja steht. So dürften nicht wenige Christen argumentieren und glauben. Die "Nachkommen Jakobs" haben irgendwie tatsächlich wieder im Land Israel Wurzeln geschlagen. Ein später Erfolg Jesajas, der zwar vermutlich nicht meinte, dass es so lange dauern würde, aber wo er Recht hat, hat er Recht.

Wäre da nicht der Hinweis, dass es (Israel) "mit seinen Früchten die ganze Erde bedecken" würde. Denn das ist, wohl selbst von Hardcore-Christen unbestritten, nicht der Fall. Israel mag ein besonderer Fall sein, allein wegen seiner Entstehungsgeschichte in der Neuzeit, aber es ist in Bezug auf die ganze Erde doch recht überschaubar.

Aber die Bibel-Fans werden auch diesen Teilsatz so auslegen, dass damit halt die Früchte gemeint sind, die Israel tatsächlich in nahezu die ganze Welt exportieren mag. Auch wenn dann der Begriff "bedecken" etwas gar hochgestochen wirkt.

Da ist es für den Skeptiker schon eher wahrscheinlich, dass Jesaja mit der "ganzen Erde" eigentlich gar nicht die ganze Erde, sondern lediglich das Gebiet Israel meinte. Was sowieso eher der Wahrheit entsprechen dürfte, denn wer das Alte Testament aufmerksam liest, der stellt fest, dass primär und fast ausschliesslich zu den Juden gesprochen wurde.

Denn der damals noch sehr junge jüdische Glaube war alles andere als weit verbreitet und eigentlich eine exklusive Sache, eben den Juden vorbehalten. Zu einer weltweiten Geschichte wurde das erst mit der Entstehung des Christentums zur römischen Zeit. So haben gemäss verschiedenen Auslegungen zum Beispiel auch die zehn Gebote nicht das allgemeine Leben auf der Erde vorgeschrieben, sondern sich lediglich auf das jüdische Volk bezogen. Damit ist auch verständlich, wie ein Gott, der angeblich das Gebot "Du sollst nicht töten" oder "begehren deines Nächsten Hab und Gut" trotzdem laufend Tötungsbefehle rausgab, die unschuldige Opfer forderte und durch Eroberungsfeldzüge den umliegenden Völkern Hab und Gut beraubte.

Wir kommen zwar vom Thema weg, aber es tut gut, die biblischen Worte mal als das zu sehen, als was sie ursprünglich wohl gedacht waren: Botschaften an die Juden. Und eben nur die Juden.

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