Samstag, 10. Oktober 2015

Endzeitstimmung

Die Erde vergeht und verdorrt; die ganze Welt zerfällt, auch die Mächtigen der Erde gehen zugrunde. Die Menschen haben die Erde entweiht, denn sie haben Gottes Gebote und Ordnungen missachtet und so den Bund gebrochen, den er damals für alle Zeiten mit ihnen geschlossen hat. Darum trifft sein Fluch die Erde und zehrt sie aus. Die Menschen müssen ihre gerechte Strafe tragen. Sie schwinden dahin, nur ein kleiner Rest wird überleben. (‭Jesaja‬ ‭24‬:‭4-6‬ HFA)

Viele Christen sehen das möglicherweise als Verheissung, deren Erfüllung noch bevor steht. Immerhin ist die Welt seit Jesaja ja noch nicht vergangen, verdorrt oder zerfallen. Und die Mächtigen dieser Welt stolpern zwar manchmal über einen Skandal, so richtig zugrunde gegangen sind sie als Kollektiv aber nicht. Also vielleicht ein Hinweis auf die schon seit tausenden von Jahren herbei geschworene Endzeit?

Schon möglich, dass Jesaja mehr im Sinn hatte, als er diese Zeilen schrieb. Aber vergisst der gläubige Christ in diesem Fall nicht ein kleines Detail? Heute glauben weltweit deutlich mehr Menschen an den ursprünglich jüdischen und später christlichen Gott als jemals zuvor. So gesehen sind wir, wenn Jesaja hier die endgültige Endzeit im Kopf hatte, weiter davon entfernt als jemals zuvor.

Aber eben, Jesaja sprach auch hier, wie in den Versen davor, von der unmittelbaren Zukunft, vielleicht von den nächsten ein, zwei Generationen. Während er an anderen Stellen vor allem versuchte, den Israeliten Mut zu machen und ihren Optimismus zu stärken, schwenkt er hier den mahnenden Drohfinger. Ganz in der Hoffnung, dass möglichst viele zu dem kleinen Rest gehören wollen, die überleben.

Irgendwie witzig: Je erfolgreicher Jesaja mit seinen Versuchen, das Volk auf den richtigen Weg zu bringen, war, desto unzutreffender wurde seine Verheissung von wegen "nur ein kleiner Rest wird überleben".

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