Montag, 5. Oktober 2015

Schöne Aussichten

Ja, der Gerichtstag des Herrn kommt! An diesem grausamen Tag lässt der Herr seinem glühenden Zorn freien Lauf, er macht die Erde zu einer Wüste und vernichtet die Sünder. (‭Jesaja‬ ‭13‬:‭9‬ HFA)

Und weiter:

Alle Menschen laufen dann auseinander wie aufgescheuchte Gazellen, wie eine Schafherde ohne Hirten. Jeder versucht, zurück in seine Heimat und zu seinem Volk zu fliehen. Wen man auf der Flucht entdeckt und fasst, der wird mit dem Schwert niedergestochen. Vor ihren Augen wird man ihre Kinder zerschmettern, ihre Häuser plündern und ihre Frauen vergewaltigen. (‭Jesaja‬ ‭13‬:‭14-16‬ HFA)

Na, dann kommt ja alles gut. Jeder wird (einmal mehr genozidähnliches Denken) niedergestochen. Die Kinder werden auf grausame und perverse Art getötet und die Frauen vergewaltigt. Ist das die Art, wie sich Yahweh für sein Volk rächt? Ich meine, das ist ja laut Bibel immerhin der gleiche Gott, der später seinen Sohn auf die Welt schickt und allgemeine Nächstenliebe predigen lässt. Schon merkwürdig, dass aus der gleichen Ecke einmal die Aufforderung kommt, man solle bei einem Schlag ins Gesicht auch die andere Wange hinhalten, aber auch die abartige Verheissung, was mit den Feinden Israels passieren wird?

Wir wissen ja, dass dies nicht das erste Mal ist, dass Völker auf brutale Weise vernichtet und gefoltert werden im Namen des Herrn. Wer da wirklich dran glaubt, dass dies "von oben" kommt, muss doch unweigerlich ein Problem haben, weil es absolut nicht mit der allgemeinen Vorstellung von Ethik übereinstimmt.

Mir hat kürzlich jemand gesagt, dass diese Völker es halt verdient hätten, sonst hätte das Gott nicht so gewollt. Auch wenn ich die Person, die mir das als Erklärungsversuch sagte, persönlich sehr mag, ist diese Aussage doch total bescheuert. Sie zeugt von blindem Bibelglauben, deaktiviertem Menschenverstand und irgendwie beunruhigendem Fundamentalismus. Da wird nicht einmal versucht, die Sache kritisch zu betrachten.

Ich wurde nicht danach gefragt, aber ich glaube da viel mehr, dass ein rhetorisch einigermassen begabter Mensch die Naivität des Volkes ausnutzte und sich als Sprachroh Gottes ausgab, in Wahrheit aber versuchte (vielleicht nicht einmal aus Bosheit), die Menschen zu bestimmten Aktivitäten oder auch nur zu Optimismus zu motivieren.

Der Christ sollte das eigentlich auch so sehen. Denn sonst müsste er sich damit abfinden, dass sein Gott es ok findet, wenn Völker abgeschlachtet, Kinder zertrümmert und Frauen vergewaltigt werden. Wie traurig und verachtenswert, wenn man durch seinen Glauben gezwungen wird, das unter bestimmten Voraussetzungen gut zu heissen. Und es ist leider nicht so, dass dies eine einmalige Entgleisung wäre. Bei weitem nicht.

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