Mittwoch, 25. November 2015

Jerusalem: Das Zentrum aller Völker

«Ich, der Herr, sage: Schaut euch Jerusalem an! Ich habe es zum Mittelpunkt aller Völker und Länder gemacht,» ‭‭Hesekiel‬ ‭5:5‬ ‭HFA‬‬

Dieser Vers mag tatsächlich die Meinung Hesekiels vertreten (eigentlich die Meinung Gottes, mag der bibelgläubige Christ einwenden, aber damit wird das folgende nur noch seltsamer). Jerusalem hat wohl unbestritten grosse Tage gehabt und galt als Zentrum. Aber man muss nicht Geschichte studieren, um zu bemerken, dass es eines von vielen Zentren war, nicht DAS Zentrum. Man muss geografisch nicht weit suchen, um festzustellen, dass es auch andere Zentren gab, die mächtig und einflussreich waren. Erst recht, wenn man über das für die Israeliten erreichbare Gebiet sucht.

Ich denke da nur mal an die Kultur der südamerikanischen Völker. Ihre Zentren, die jahrhunderte in Vergessenheit gerieten, sind für die Menschen dort sicherlich von grösserer Bedeutung gewesen, als das jüdische Jerusalem, von dem sie vermutlich nicht mal ahnten, dass es existiert. Bestimmt gab es zur Zeit des Alten Testaments viele weitere grosse Zentren, die den Israeliten nicht bekannt waren.

Diese Völker, das wissen wir heute, hatten keine Berührungspunkte mit den Israeliten und ihrer Kultur. Sie wussten nichts von ihrem Yahweh-Gott und hatten ganz andere Mythen und Legenden, die von der Entstehung der Welt, herrschenden Gottheiten und vielleicht dem Sinn des Lebens handelten.

Sonntag, 22. November 2015

Einfach zu manipulieren

Keiner von euch sagt: ›Wir sollten dem Herrn, unserem Gott, mit Ehrfurcht begegnen! Denn er sendet uns den Herbst- und Frühjahrsregen zur rechten Zeit und lässt Jahr für Jahr die Früchte reifen, damit wir sie ernten können.‹ Aber nun sind Regen und Ernte ausgeblieben, weil ihr so viel Schuld auf euch geladen habt. (‭Jeremia‬ ‭5‬:‭24-25‬ HFA)

Ein Volk, das glaubt, dass Gott persönlich den Regen jeweils rechtzeitig schickt oder ihn aus Strafe zurück behält, muss wahrlich leicht zu manipulieren gewesen sein.

Ausbleibender Regen soll die Folge von Schuld sein? Und die Menschen glaubten das vorbehaltlos? Da hatten die Propheten - egal welches Glaubens - ja extrem leichtes Spiel.

Wie befreiend, wenn man weiss, dass keinen übergeordneten Spielemacher gibt, der mal Gutes, mal Schlechtes über einen kommen lässt, sondern alles eine Folge von bestimmten nachvollziehbarer Ursachen oder schlicht Zufall ist.

Freitag, 20. November 2015

Nutzlose Götter

Jeremia versucht, das Volk zurück zu Yahweh zu führen. Offenbar sind die meisten Israeliten von "ihrem" Gott zum damals populäreren und scheinbar auch weiter verbreiteten Baal gelangt. Der Prophet versucht, die negativen Geschehnisse damit in Verbindung zu bringen und predigt, dass alles besser würde, wenn das Volk zu Yahweh zurück kommt.

Es ist wahr: Die Götter, zu denen wir auf den Hügeln laut geschrien haben, helfen uns nicht. Nur bei dir, Herr, dem Gott Israels, finden wir Rettung! (‭Jeremia‬ ‭3‬:‭23‬ HFA)

Die Bibel will uns weismachen, dass zumindest einige des Volkes eine solche Bemerkung gemacht haben. Ich persönlich muss nicht glauben, dass das wirklich so war. Aber wer die Bibel als heiliges Wort Gottes liest, muss das sehr wohl so glauben, wie es da steht.

Wie schnell ist der Vers überlesen, mit einem leichten Kopfnicken und den Gedanken im Hinterkopf: "Ja, wie wahr, nur ER bietet die Rettung"

Sonntag, 15. November 2015

Jeremia politisiert

Ein Prophet zu sein, dem die Menschen nicht zuhören, ist frustrierend. Wer als Prophet oder Prediger arbeitet, ist darauf angewiesen, dass wenigstens ein Teil der Menschen das hören will, was man zu sagen hat. Ansonsten wird es schwierig, sich durchs Leben zu schlagen, genug zu Essen und Trinken zu haben. Das ist noch heute so und war mit Sicherheit auch zur Zeit der biblischen Propheten der Fall.

So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Propheten so einiges einfallen lassen, um die Gunst der Zuhörer zu erhalten. Zeiten von Krieg, Unterdrückung, Uneinigkeit, Dürren und dergleichen sind da besonders hilfreich. Denn wie jeder Prophet verspricht auch Jeremia den Menschen zahlreiche Vorteile, wenn sie wieder dem "einen" Gott Yahweh nachfolgen und sich von den übrigen Göttern (die übrigens die meisten schon lange vor Yahweh da waren), allen voran Baal, los sagen würden.

Erfolgreiche Schlachten gegen die Feinde steht immer weit oben auf der Liste, aber auch die Wiedervereinigung mit dem "bösen Brudervolk Juda" und erntereiche Zeiten werden gerne prognostiziert. Das klingt natürlich verlockend für ein leidgeplagtes Volk, das wohl wirklich daran glaubt, die negativen Erfahrungen, die es macht, kämen von Gott. Es sorgt für eine wachsende Schar von Nachfolgern und verschafft letztlich dem Propheten selbst mehr Bedeutung, Ansehen und vielleicht auch Macht. Es ist der Prophet selber, der davon am meisten profitiert, wenn Yahweh wieder im religiösen Mittelpunkt steht und die Politik bestimmt. Letzteres tut er ja wiederum durch den Propheten, und nur durch ihn. Der Prophet bestimmt somit bei genügend grosser Anzahl Gläubiger, wo's lang geht, wer König wird und was getan werden soll.

Das Phänomen fiel mir schon bei Moses auf, der wie spätere Propheten völlig willkürlich bestimmen und verlangen konnte, was er wollte, weil Gott es ihm angeblich so auftrug. Als Scharlatan werden solche Personen von kritisch denkenden Menschen bezeichnet. Für die, die glauben, sind sie aber grossartige Propheten oder Gurus.

Nun darf natürlich jeder glauben, was er oder sie will. Aber auch der bibelgläubige Christ darf die heiligen Texte gerne mal ein bisschen kritisch lesen und hinterfragen. Es kommt dann nämlich Erstaunliches zu Tage.

Dienstag, 10. November 2015

Es geht nur um Krieg

Doch der Herr sagt: »Nun handle ich! Jetzt greife ich ein und beweise meine Macht! Eure Pläne sind nutzlos wie dürres Stroh, und was dabei herauskommt, ist nicht mehr wert als Stoppeln. Voller Wut speit ihr Feuer, aber es wird euch selbst verzehren. Ja, die feindlichen Völker sollen verbrannt werden, bis nur noch feine, weiße Asche von ihnen übrig bleibt. Es wird ihnen gehen wie dürrem Dornengestrüpp, das man ins prasselnde Feuer wirft. (‭Jesaja‬ ‭33‬:‭10-12‬ HFA)

Der jüdische Gott Yahweh ist ein Kriegsgott. Ich habe anderswo in diesem Blog schon davon geschrieben. Er wurde erfunden und entwickelt, um den Israeliten in Schlachten gegen den Feind zu "helfen", wenn auch nur psychologisch. Der liebe Gott, von dem die Kirche ihren Kindern gerne erzählt, existiert nicht. Er mag einzelne Charaktereigenschaften haben, die für sich alleine betrachtet den Eindruck von Liebe, Grosszügigkeit, Barmherzigkeit und dergleichen erwecken könnten. Aber eigentlich ist er es nicht.

Donnerstag, 5. November 2015

Manipulation

Wer in christlichen Kreisen aufwächst, lernt schon als Kleinkind biblische Geschichten. Natürlich so aufbereitet, dass man von den Gräueltaten, die der Herr befahl, verschont bleibt.

Viele Jahre lang läuft das so, man beschäftigt sich automatisch detailierter und intensiver mit der Bibel und ihrem Inhalt. Immer in leicht verdaulichen Häppchen und in sorgfältig ausgewählten Versen und Auslegungen.

Für mich war jahrzehntelang klar: Der christliche Glaube ist einzigartig und vor allem allein richtig. Alle anderen Religionen sind Fehlleitungen.

Was mir aber ebenfalls jahrzehntelang nicht bewusst war: Es gab nachweislich Religionen lange bevor das Alte Testament oder gar das Christentum entstanden. Die Menschen hatten jahrhundertelang ihre Götter, ihre Kulte und eben Religionen. Sie verehrten diese Götter, hatten ihre persönlichen Gründe, an sie zu glauben und meinten wohl auch, sie zu spüren.