Freitag, 20. November 2015

Nutzlose Götter

Jeremia versucht, das Volk zurück zu Yahweh zu führen. Offenbar sind die meisten Israeliten von "ihrem" Gott zum damals populäreren und scheinbar auch weiter verbreiteten Baal gelangt. Der Prophet versucht, die negativen Geschehnisse damit in Verbindung zu bringen und predigt, dass alles besser würde, wenn das Volk zu Yahweh zurück kommt.

Es ist wahr: Die Götter, zu denen wir auf den Hügeln laut geschrien haben, helfen uns nicht. Nur bei dir, Herr, dem Gott Israels, finden wir Rettung! (‭Jeremia‬ ‭3‬:‭23‬ HFA)

Die Bibel will uns weismachen, dass zumindest einige des Volkes eine solche Bemerkung gemacht haben. Ich persönlich muss nicht glauben, dass das wirklich so war. Aber wer die Bibel als heiliges Wort Gottes liest, muss das sehr wohl so glauben, wie es da steht.

Wie schnell ist der Vers überlesen, mit einem leichten Kopfnicken und den Gedanken im Hinterkopf: "Ja, wie wahr, nur ER bietet die Rettung"

Doch wesentliche Teile des Volkes haben, wenn man dem biblischen Text glauben darf, seit Jahren oder gar Jahrzehnten, diesen Baal angebetet, ihm Opfer gebracht und sogar Kinder geweiht (oder geopfert?). Jahrelang. Und nun kommt ein einzelner Prophet, erzählt das, was das Volk eigentlich seit Generationen weiss und siehe da, plötzliche Erkenntnis? Auf einen Schlag wollen die Menschen, wie gesagt nach jahrelangem Dienst an Baal, erkennen, dass der gar keine Hilfe ist, alle Opfer umsonst waren und nur Yahweh Rettung bieten kann?

Ist so etwas wirlich glaubwürdig? Warum sind sie denn überhaupt von Yahweh weg zu Baal gelangt? Wohl nicht, weil sie glücklich und zufrieden waren, oder? Viel mehr weil wohl Yahweh sie enttäuschte, nicht die Hilfe bot, die man sich von ihm erhoffte. Und viel mehr auch, weil Yahweh noch gar nicht so alt und damit etabiliert war wie andere Götter.

Die Christen vergessen immer wieder, dass ihr allmächtiger Gott nicht der erste Gott war. Es gab Tausende vor ihm. Und nur langsam konnte sich der monotheistische Gedanke hier und da durchsetzen, immer begleitet von grossen Bemühungen einzelner sogenannter Propheten, die nicht zuletzt (oder vor allem) aus eigenen Interessen predigten. Die Idee, es gäbe nur einen Gott (Yahweh) war einfach völlig ungewohnt und nicht annähernd so verbreitet, wie es die heutige Kirche oder die Bibel uns weismachen will. Die Menschen waren gewohnt, mehrere Götter zu haben. Seit Generationen verehrten sie und opferten ihnen. Yahweh mit seinem Anspruch, der einzige Gott zu sein, war schlicht zu jung, zu ungewohnt, zu revolutionär. Damals betrat mit Yahweh ein neuer Gott auf die bereits gutbesetzte Bühne der Gottheiten.

Und derjenige, der gerade die besten Redner für sich beanspruchen konnte, wurde wohl am ehesten gehört. Das schlecht gebildete und nicht aufgeklärte Volk folgte einem Fähnchen gleich mal dem, mal diesem. Das sollte man sich schon bewusst sein, wenn man heute an den christlichen Gott glaubt und meint, er wäre von Anfang an gewesen. Denn das war er nicht. Nicht mal annähernd.

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