Freitag, 27. Mai 2016

Jona: Kapitel 1

Ich setze hier mal voraus, dass die Geschichte Jonas bekannt ist. Sie ist eine der ganz besonderen Geschichten, weil sie sehr einprägsame Bilder benutzt und auf ihre Art spannend und kurzweilig ist. Kaum ein Kind aus kirchlichen Kreisen, das die Geschichte von Jona im Walfisch nicht kennt (obwohl gar nie die Rede von einem Walfisch ist, aber das ist letztlich nebensächlich). 

Gerade weil die Geschichte eine starke Bildsprache besitzt und sehr konkrete Geschehnisse schildert, ist sie es wert, genauer betrachtet zu werden. Denn während sich der Skeptiker damit abfindet, dass es sich hier um eine Art Märchen handelt, und somit Ungereimtheiten stehen lassen kann, ist der Christ gezwungen, sie als bare Münze zu nehmen. Würde er das nicht und stattdessen bei einzelnen oder allen nachfolgend erwähnten Punkten davon ausgehen, dass es sich um eine übertriebene Bildsprache handelt, würde er damit letztlich die Bibel zumindest teilweise als Tatsachenbuch in Frage stellen. Und tut er dies bei der Jona-Geschichte, muss er auch akzeptieren, dass möglicherweise alle biblischen Texte nicht wörtlich zu verstehen und der Wahrheit entsprechend geschrieben sind. Das kann und darf man natürlich, nur kann dann die Bibel nicht mehr als das bezeichnet werden, was sie in kirchlichen Kreisen ist: Die Wahrheit, und nichts als die Wahrheit.

Zudem würde sich dann die Frage stellen, weshalb Jesus ihn gemäss Matthäus-Evangelium angeblich als historisch betrachtet und seine unglaubliche Geschichte in einen seiner Vergleiche einbaut: "Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Innern der Erde sein (...)." (Matthäus 12, 40)


Wie schon eingangs erwähnt gehe ich davon aus, dass der Leser dieses Textes die Jona-Geschichte kennt oder zweifelsfall nachliest. Deshalb verzichte ich nachfolgend, die entsprechenden Bibelverse an jeder Stelle nochmals zu zitieren.

Jona flüchtet
Ein Mann Gottes kommt ernsthaft auf den Gedanken, vor eben diesem Gott flüchten zu können? Da musste Jona doch sehr stark davon ausgehen, dass Gott nicht so allmächtig ist, wie er aus den Schriften bekannt ist, und geografisch einen ziemlich eingeschränkten Wirkungsbereich besass.

Ausserdem flüchtet er ausgerechnet per Schiff übers Meer, obwohl doch in der Mythologie von einem Unwesen die Rede ist, das Gott direkt benutzte, angeblich "mit ihm spielte". Die Rede ist vom Ungeheuer Leviatan, ein nicht weiter definiertes Monster der See. Kannte Jona dieses "Tier" nicht, hatte er davor keine Angst, weil er es als Fantasieprodukt abstempelte oder dachte er einfach nicht daran?

Hinzu kommt, dass die Überfahrt Geld kostet, während die Flucht zu Lande "gratis" wäre. Ausgenommen natürlich die Kosten für Kost, aber essen musste er ja unabhängig davon, wie er reiste.

Jona schläft während dem Sturm
Das Buch Jona berichtet von einem Sturm, der offenbar stark genug war, den Seeleuten Angst einzujangen. Nun darf man wohl annehmen, dass sich erfahrene Seeleute Stürme gewohnt waren. Trotzdem scheint dieser Sturm stark genug zu sein, um sie in Panik zu stürzen.

Man schaue sich auf Youtube mal Filme an, die moderne Schiffe in Stürmen zeigen. Wenn man darin sieht, wie selbst neuzeitliche Riesenschiffe herumgerissen und geschüttelt werden, dürfte das Schiff, auf dem Jona war, an seine Belastungsgrenzen gelangt sein.

Aber während die Profi-Seeleute Angst hatten, schlief Jona angeblich friedlich unter Deck. Man muss keine Sturmerfahrung haben, um festzustellen, dass das mindestens seltsam, eher noch unglaubwürdig klingt.

Das Los bestimmt Jona
Jona outet sich nicht von sich aus als möglichen Schuldigen für den Sturm, obwohl er es offenbar wusste. Denn als die Seeleute das Los warfen, um den Schuldigen zu finden, und es auf Jona fiel, schien es für ihn klar, dass er die Schuld trägt.

Wir wissen aus der Erzählung, dass die Seeleute andere Götter hatten als Yahweh. Trotzdem funktionierte ihr Glücksspiel (das Los) und entlarvte den Richtigen. Es braucht also keinen Einfluss Yahwehs, damit ein Los funktioniert. Das können auch andere Götter. Oder beweist uns diese Erzählung etwas anderes?

Der Sturm wird ruhig 
Obwohl es den Männern widerstrebt, werfen sie schliesslich Jona über Bord. Und - angeblich - sofort beruhigt sich der Sturm. Das steht da so: Sofort legte sich der Sturm. Sofort, nicht erst nach ein paar Stunden.

Da darf man sich doch fragen, warum die Männer, die sich lange sträubten, Jona über Bord zu werfen, danach nicht sofort versuchten, ihn wieder aus dem Wasser zu retten und an Bord zu holen. Denn davon steht kein einziges Wort. Sie erschraken, sie fürchteten sich vor dem Gott Jonas und sie brachten ihm Opfer dar. Jona scheinen sie bereits vergessen und abgeschrieben zu haben.

So weit mal das erste Kapitel. Fortsetzung folgt.

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