Montag, 30. Mai 2016

Jona: Kapitel 2

Jona überlebt drei Tage im Fisch
Das Kernelement der Geschichte, jedenfalls aus dramaturgischer Sicht. Es ist der Teil der Jona-Story, die sie einzigartig, unvergesslich und gleichzeitig auch extrem seltsam macht. Es gibt meines Wissens keine andere Geschichte, die ähnliches schildert.

Die Frage, die über allem steht: Geht sowas überhaupt? Das stellt sich auch die christliche Seite jesus.ch: "Glauben Sie die Geschichte von Jona und dem Wal wirklich?" (1).

Josh McDowell, der den Beitrag auf jesus.ch schrieb, stellt sich vernünftige Fragen. Aber er beantwortet sie nicht, oder zumindest nur unzureichend. Wenn die Antwort auf die Frage nach der Glaubwürdigkeit aller unglaublich wirkenden oder gar wissenschaftlich nicht belegbaren Vorkomnisse lautet "Gott ist nichts unmöglich", dann hilft das vielleicht demjenigen, der um jeden Preis glauben will. Alle anderen dürften darüber aber nur ungläubig den Kopf schütteln.

McDowell erwähnt in seinem Beitrag den Seemann James Bartley, der gemäss seinen Erzählungen rund 18 Stunden im Innern eines Fisches überlebt hat. Er erwähnt jedoch nicht, dass dieser bleibende Schäden wie Blindheit für den Rest seines Lebens davon trug. Und erwähnt darüber hinaus auch nicht, dass die Bartley-Geschichte alles andere als glaubwürdig ist und von Zeitzeugen als Seemannsgarn bezeichnet wurde. (2)

Natürlich müsste man da einen Naturwissenschaftler bemühen, der erklärt, wie sich ein Mensch (oder ein beliebiges anderes Lebewesen) in den Magensäften eines walähnlichen Fisches verhält. Oder anders formuliert: Wie lange dauert es, bis das Futter eines Wals zersetzt wird und ihm als das dient, weshalb er es schluckte: Nahrung. Hat ein Wal tatsächlich noch drei Tage Hunger nachdem er etwas gefressen hat? So müsste es ja sein, wenn Jona nicht als eine Art Zombie ausgespuckt geworden sein soll.

Ich gestehe an dieser Stelle, naturwissenschaftlich nichts zu diesem Thema sagen zu können. Ich bin aber wohl nicht alleine, wenn ich diesen Teil der Jona-Geschichte als überaus unglaubwürdig, unwahrscheinlich und deshalb fragwürdig bezeichne. Insbesondere auch weil meines Wissens eben gerade die grossen Wale, in denen man sich mit etwas Fantasie ein dreitägiges Überleben allein wegen der Grössenverhältnisse noch halbwegs vorstellen könnte, eben gar keine grosse "Dinge" schlucken können. Denn ihre Speiseröhren sind viel, viel zu klein dafür.

Dass der Fisch nach drei Tagen an Land schwamm und Jona ausspuckte ist dann schon fast nichts mehr besonderes.

1) http://www.jesus.ch/information/glaube/fragen_und_antworten/bibel/109502-glauben_sie_die_geschichte_von_jona_und_dem_wal_wirklich.html

2) https://en.m.wikipedia.org/wiki/James_Bartley

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