Mittwoch, 29. Juni 2016

Am besten ertränken

»Wer in einem Menschen den Glauben, wie ihn ein Kind hat, zerstört, für den wäre es noch das Beste, mit einem Mühlstein um den Hals ins tiefe Meer geworfen zu werden. 
Matthäus 18, 6

Was hier steht ist vielleicht nicht grad ein direkter Aufruf dazu, Menschen zu töten, die Gläubige zum zweifeln bringen. Aber ein bisschen bin ich jetzt doch grad irritiert. Ich weiss ja längst, dass solche und noch krassere Dinge haufenweise im Alten Testament stehen. Da tun die Frommen das dann immer damit ab, dass die Gesetze von damals dank neuem Bund und blabla nicht mehr gelten, Jesus für diese Sünden gestorben, blabla, vom Blut gereinigt blabla neuer Bund und überhaupt.

Aber hey, das steht im ach so tollen Neuen Testament. Und wenn gleich es, wie bereits geschrieben, kein direkter Aufruf oder gar ein Befehl ist, so ist es doch eine angebliche Aussage von Jesus persönlich. Und jetzt mal ganz vorsichtig:

Wenn es "das Beste" wäre, wenn solche Skeptiker schön beschwert versenkt würden und das Neue Testament uns doch lehrt, dass wir irgendwie das Beste für unsere Mitmenschen zu wollen haben, dann...

Mittwoch, 15. Juni 2016

Gott sei Dank

Vermutlich handelt es sich bei diesem meist als Ausdruck der Erleichterung verwendeten Spruch um einen der meistbenutzten frommen Floskeln. Benutzt wird sie aber beileibe nicht nur von frommen Menschen. Obwohl Gott deutlich darin genannt wird, sind sich dessen anscheinend viele gar nicht so richtig bewusst, wenn sie die Floskel im mündlichen Sprachgebrauch einsetzen.

Selbst mir, der ich mittlerweile Atheist bin, rutscht dieses "Gott sei Dank" noch da und dort über die Lippen. Obwohl ich's natürlich überhaupt nicht wörtlich meine, nervt mich das jeweils trotzdem. Aber noch mehr nervt es mich, wenn Christen den Ausdruck anscheinend bewusst verwenden. Wie der Herr in unten stehendem Bild, der nach einer Reifenpanne in Frankreich meint: "Gott sei Dank für die super Pannendienste in Saint-Maio."

Freitag, 10. Juni 2016

Prophezeit Micha die Geburt Jesu?

«Aber zu Bethlehem im Gebiet der Sippe Efrat sagt der Herr: »Du bist zwar eine der kleinsten Städte Judas, doch aus dir kommt der Mann, der mein Volk Israel führen wird. Sein Ursprung liegt weit zurück, in fernster Vergangenheit.« ‭
-- Micha‬ ‭5:1‬ ‭HFA‬‬ 

Ist das eine Prophezeihung der Geburt Jesu?

Schön, wenn Prophezeihungen in Erfüllung gehen. In der Tat interessant, wenn Wahrsager jedwelcher Coleur Ereignisse voraussagen, die tatsächlich eintreffen. Allerdings habe ich schon mehrfach darauf hingewiesen, dass allein das Eintreten eines vorhergesagten Ereignisses längst nicht bedeutet, dass der Hellseher einen Punkt für sich verbuchen kann. Schliesslich muss man schon festhalten, dass bei genügend vielen Vorhersagen aus reinem Zufall das Eine oder Andere zutreffen muss.

Wenn ich 100 Fussballresultate vorhersage und eines davon sich als richtig erweist, wäre jedermanns erster Gedanke: Glück gehabt. Keiner käme wohl auf die Idee, mich deswegen als echten Hellseher zu feiern.

Sonntag, 5. Juni 2016

Jona: Kapitel 4

In meiner Übersetzung ist dieses Kapitel überschrieben mit "Gottes Güte geht Jona zu weit". Irgendwie kann ich dem armen Kerl nachfühlen. Da begeht man diese verdammte beschwerliche Reise um Ninive den Untergang zu verkünden und am Ende steht man da als derjenige, der übertrieben und doch nicht Recht hat.

 »Ich wusste es doch: Du bist ein gnädiger und barmherziger Gott. Deine Geduld ist groß, deine Liebe kennt kein Ende. Du lässt dich umstimmen und strafst dann doch nicht.» ‭‭
--Jona‬ ‭4:2‬ ‭HFA‬‬

Da übertreibt der liebe Jona dann aber doch. Wir haben zwar schon Beispiele im Alten Testament, in der angeblich frühen Zeit des Volkes Israel, gelesen, in denen sich Gott aufgrund von Gebeten Moses hat umstimmen lassen. Ihn deswegen aber gleich als gnädig, barmherzig, geduldig und endlos liebend bezeichnen? Nein, ganz bestimmt nicht. Keine andere biblische Figur hat so viele unschuldige Menschenleben auf dem Gewissen wie der jüdische Gott Yahweh.

Donnerstag, 2. Juni 2016

Jona: Kapitel 3

Das dritte Kapitel lässt sich in zwei Versen zusammenfassen:

 «Jona ging in die Stadt hinein, und nachdem er einen Tag lang gelaufen war, rief er: »Noch vierzig Tage, dann legt Gott Ninive in Schutt und Asche!«
-- ‭‭Jona‬ ‭3:4‬ ‭HFA‬‬

 «Gott sah, dass die Menschen von ihren falschen Wegen umkehrten. Da ließ er das angedrohte Unheil nicht über sie hereinbrechen.» ‭‭
-- Jona‬ ‭3:10‬ ‭HFA‬‬

 Natürlich ist es denkbar, dass Jona mehr als nur den im oberen Vers erwähnten Satz aussprach. Aber stehen tut hier nur diese eine Aussage. Keine Begründung dazu, warum es zur totalen Vernichtung kommen soll und auch keine Option, wie sich das Unheil noch verhindern lassen könnte.

Auch der ursprüngliche Auftrag Gottes, der an Jona ging, enthielt übrigens keine Aufforderung zur Umkehr, um dem zerstörerischen Plan zu entgehen. Er enthielt einzig den Befehl, den Ninive-Bewohnern die schlechte Nachricht, die Strafankündigung zu überbringen: