Donnerstag, 2. Juni 2016

Jona: Kapitel 3

Das dritte Kapitel lässt sich in zwei Versen zusammenfassen:

 «Jona ging in die Stadt hinein, und nachdem er einen Tag lang gelaufen war, rief er: »Noch vierzig Tage, dann legt Gott Ninive in Schutt und Asche!«
-- ‭‭Jona‬ ‭3:4‬ ‭HFA‬‬

 «Gott sah, dass die Menschen von ihren falschen Wegen umkehrten. Da ließ er das angedrohte Unheil nicht über sie hereinbrechen.» ‭‭
-- Jona‬ ‭3:10‬ ‭HFA‬‬

 Natürlich ist es denkbar, dass Jona mehr als nur den im oberen Vers erwähnten Satz aussprach. Aber stehen tut hier nur diese eine Aussage. Keine Begründung dazu, warum es zur totalen Vernichtung kommen soll und auch keine Option, wie sich das Unheil noch verhindern lassen könnte.

Auch der ursprüngliche Auftrag Gottes, der an Jona ging, enthielt übrigens keine Aufforderung zur Umkehr, um dem zerstörerischen Plan zu entgehen. Er enthielt einzig den Befehl, den Ninive-Bewohnern die schlechte Nachricht, die Strafankündigung zu überbringen:

»Geh in die große und mächtige Stadt Ninive, und kündige ihren Einwohnern an, dass ich sie strafen werde. Denn ich kenne ihre Bosheit.«
-- ‭‭Jona‬ ‭1:2‬ ‭HFA‬‬

Es ist beiderlei typisch für den jüdischen Gott, wie wir ihn aus dem Alten Testament kennen: Er droht mit ungeheuerlichen Strafen, um sich dann wieder besänftigen zu lassen allein durch die Tatsache, dass er angebetet, verehrt und gelobt wird.

Ich stell' mir grad vor, mein Boss auf der Arbeit hätte diese Eigenheiten Gottes: Erst droht er, alle zu entlassen und vor Gericht zu zerren, weil die Mitarbeiter ihm nicht den gewünschten Respekt zollen und ihn anhimmeln. Und nur wenn der letzte Arschkriecher ihm dann wieder schleimt, macht er seine Drohung nicht wahr. So einen Vorgesetzten möchte wohl keiner von uns.

 Dem Leser stellt sich im Fall Jonas zudem die Frage: Und dafür musste der ganze Aufwand sein? Hätte das nicht einer von Gottes Bodenpersonal, der grad in der Gegend war, übernehmen können?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen