Sonntag, 5. Juni 2016

Jona: Kapitel 4

In meiner Übersetzung ist dieses Kapitel überschrieben mit "Gottes Güte geht Jona zu weit". Irgendwie kann ich dem armen Kerl nachfühlen. Da begeht man diese verdammte beschwerliche Reise um Ninive den Untergang zu verkünden und am Ende steht man da als derjenige, der übertrieben und doch nicht Recht hat.

 »Ich wusste es doch: Du bist ein gnädiger und barmherziger Gott. Deine Geduld ist groß, deine Liebe kennt kein Ende. Du lässt dich umstimmen und strafst dann doch nicht.» ‭‭
--Jona‬ ‭4:2‬ ‭HFA‬‬

Da übertreibt der liebe Jona dann aber doch. Wir haben zwar schon Beispiele im Alten Testament, in der angeblich frühen Zeit des Volkes Israel, gelesen, in denen sich Gott aufgrund von Gebeten Moses hat umstimmen lassen. Ihn deswegen aber gleich als gnädig, barmherzig, geduldig und endlos liebend bezeichnen? Nein, ganz bestimmt nicht. Keine andere biblische Figur hat so viele unschuldige Menschenleben auf dem Gewissen wie der jüdische Gott Yahweh.

Hätte der Autor, der die Moses-Bücher schrieb, auch Jona geschrieben, wäre der Fall klar gewesen: Ninive wäre zerstört, deren Bewohner auf vielseitige Art niedergemetzelt worden. Dabei wäre auch nicht unterschieden worden zwischen Männern, Frauen und Kindern.

 Ich habe wirklich keine Ahnung, woher Jona seine hochachtende Meinung von Yahweh her hat. Der Vergleich, der den zweiten Teil des vierten Kapitels ausmacht, ist niedlich. Da wächst mal schnell eine Staude über Nacht. Bei Gott ist nix unmöglich. Und über die nächste Nacht wird die Wurzel von einem (!) Wurm gefressen, so dass die Staude schon am nächsten Morgen verdorrt ist. Den Wurm möcht' ich mal sehen.

Ein nettes Gleichnis, das die Verschonung Ninives zu erklären vermag, jedoch nicht den Gesinnungswandel Yahwehs, der sich jetzt plötzlich als Gnädiger, Liebender und Barmherziger aufspielt.

Und das war's dann auch schon mit der Geschichte Jonas. Irgendwie fehlt mir da der Schluss. Aber bitte, ich muss ja keine Noten vergeben.

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